Mittwoch, 23. Juli 2025

Samstag, 13. Juli 2025 Suisun City CA - San Francisco Airport CA

Der letzte Morgen in Amerika. Wir können kaum glauben, dass diese phantastische Reise heute zu Ende geht. Und wie schnell die Zeit vergangen ist.
Während wir die letzten Dinge in unsere Koffern und Taschen verstauen, gehen Oskar und ich nach unten, um Kaffee zu holen und das Frühstücksangebot zu inspizieren. Dieses ist so wie wir es in Erinnerung hatten von vor zwei Jahren und fällt nicht besonders üppig aus. Was jedoch nicht schlimm ist, denn zur Feier des letzten Tages wollen wir heute noch einmal gemütlich frühstücken gehen. Dabei kommt uns gut zupass, dass es in Suisun City einen BLACK BEAR DINER gibt.
Danach nehmen wir wieder die Interstate Richtung San Francisco. Da wir wieder über die GOLDEN GATE BRIDGE fahren wollen, ist jedoch ein Umweg nördlich um die Bucht von San Francisco erforderlich, um auf die US 101 zu kommen.
In Vallejo wechseln wir auf die California 37 und kommen direkt am SIX FLAGS DISCOVERY KINGDOM vorbei, einem spektakulären Roller Coaster Park mit - soweit wir das zählen können - mindestens acht Achterbahnen.
Nach der Brücke über den Napa River wird der Highway zweispurig, was zu einem Stau und anschließend zähfließenden Verkehr führt. Während wir langsam zwischen Brackwasserbecken hindurchrollen, essen wir Kirschen, unser letztes Obst. Zu Oskars großem Vergnügen spucke ich die Kirschkerne aus dem Fenster, jede Kirsche führt zu Gelächter von der Rückbank.
In Novato erreichen wir die 101 und biegen zum letzten Mal in den Westcoast Highway ein. Vom Olympic National Park bis hier herunter sind wir mit mehreren Unterbrechungen viele hundert Kilometer auf ihm gereist, nun wird er uns über die Brücke und bis zum Flughafen bringen. 
Über der Bucht, an der wir nun entlangkommen, herrscht schöner Sonnenschein. Auf den zum Pazifik ausgerichteten Bergen sind jedoch dichte Wolken zu sehen, sicheres Zeichen, dass an der Küste wieder Nebel herrscht. Einen neuerlichen Fotostopp am Golden Gate brauchen wir also nicht einzuplanen.
Es geht am Acqua Hotel in Mill Valley vorbei, in dem wir vor zwei Jahren unsere letzte Nacht verbracht hatten. Sehr gerne hätten wir das in diesem Jahr wiederholt, jedoch gilt dort für das Wochenende ein Mindestaufenthalt von zwei Nächten.
Dann folgt der Robin Williams Tunnel und der ersehnte Blick auf die Golden Gate Bridge: Wir sehen jedoch Nebel und kaum etwas von den ikonischen Brückentürmen. Im Nu sind wir auf der Brücke, können kaum von einer zur anderen Seite sehen, und schon auf der anderen Seite mit der viel zu engen ehemaligen Mautstation. Hoffentlich klappt die Bezahlung via Internet; da haben wir in den letzten Jahren ja gute und schlechte Erfahrungen gemacht.
Hinter der Brücke ist San Francisco erreicht und es wird es schnell städtisch. Durch die Rundfahrt mit dem Bully vor vier Wochen ist uns jetzt jedoch manches bekannt, und wir erkennen den ein oder anderen Ort wieder, wie die alten Kasernen von Presidio, der Palace of Fine Arts oder später die Kuppel der City Hall. Durch die Straßen von San Francisco folgen wir stoisch der 101 und ignorieren die Empfehlungen unseres Navis, das uns mehrmals auf andere Routen leiten will. Statt dessen rollen wir noch einmal über die Gleise der Cable Car, auf denen zufällig gerade auch ein Zug unterwegs ist, und kommen im Mission District südlich des Zentrums wieder auf die Schnellstraße in Richtung San José und SFO-Airport.
Der Weg zur „Rental Car Return“ ist gut ausgeschildert, und im Nu stehen wir in dem großen Parkhaus, wo vor vielen Tagen unsere Rundfahrt begann. Wie stets ist die Rückgabeprozedur in Sekundenschnelle erledigt. Unser Hinweis, dass der Bordcomputer seit einigen Tagen einen Ölwechsel fordert, wird zur Kenntnis genommen und erreicht wesentlich weniger Aufmerksamkeit als unsere Frage, ob wir die übrig gebliebenen Wasserflaschen im Auto lassen können.
Dann nehmen wir Abschied von unserem FORD EXPEDITION. Das große und sehr komfortable war uns auf unserer Fahrt durch neun Bundestaaten – Kalifornien, Nevada, Idaho, Wyoming, South Dakota, North Dakota, Montana, Washington und Oregon - ein treuer Partner und spulte klaglos die insgesamt 6.641 Meilen beziehungsweise 10.685 Kilometer ab. Eine kleine Träne haben wir alle im Auge, Oskar verabschiedet sich gleich zweimal.
Die Flughafenbahn bringt uns wieder zu den Terminals, dann heißt es warten. Wir suchen uns eine Sitzgelegenheit, trinken die letzten Wasserflaschen, Oskar und ich fahren unsere Koffer an einen verwaisten Schalter, um das Gewicht zu kontrollieren. Alles passt, auch Dank der neu erworbenen Zusatztasche.
Der CheckIn öffnet zum Glück erstaunlich früh. Wir stehen am Anfang der noch kurzen Schlange und können ohne große Wartezeit unser Gepäck aufgeben. Das Paar vor uns gerät in die Fänge einer strengen Lufthansa-Dame am Schalter und muss die Koffer öffnen, um umzupacken. Das ist einerseits eine ziemliche Erniedrigung, das vor aller Augen machen zu müssen, und zum anderen eine völlig unnötige Schikane, denn ob die nun umgeräumten Kilos im Handgepäck oder im Koffer mitfliegen, ist schlussendlich völlig irrelevant. Dann sind wir bei der gleichen Frau dran, und werden viel freundlicher behandelt; ob die Premium Eco-Tickets von Susanne und Oskar dafür sorgen, ist eine naheliegende Vermutung. Mir gelingt es durch ein wenig Umsicht, den Camping-Klappstuhl nicht zu auffällig zu präsentieren, so dass wie vor zwei Jahren auch seinetwegen keine Fragen entstehen.
Jenseits der Ausreisekontrolle und der Security finden wir direkt am Gate eine gemütliche Sitzgarnitur, um die verbleibenden drei Stunden zu verbringen. Dann landet der aus München kommende Airbus A350 und rollt vor unser Fenster. Es ist die D-AIXW „Leverkusen“, ein noch ganz neues Flugzeug, ausgeliefert im Oktober 2024, ausgestattet mit der neuen Allegris-Bestuhlung; auf diese hatte Lufthansa im Vorfeld in mehreren Mails hingewiesen, es sei „eine neue Art des Reisens“ und ein „neues innovatives Lufthansa Langstreckenerlebnis“. Wir sind gespannt.
Bis zum Boarding ist noch Zeit, Oskar und ich schauen uns auf der Outdoor-Terrasse die startenden und landenden Flugzeuge an und erleben dabei auch ein Durchstart-Manöver einer Soutwest-737.
Dann gehen wir an Bord, die Maschine ist in der Premium Eco bei meinen beiden Liebsten gut und bei mir hinten in der Eco bis auf den letzten Platz gefüllt.
In der Abenddämmerung rollen wir dann zum Start und heben auf der Runway 28L ab - die gleiche Bahn, auf der wir vor viereinhalb Wochen gelandet sind. 
San Francisco liegt unter dichtem Nebel, dann öffnet sich aber wieder der Blick. 
Unten ist die 101 zu sehen; genau die Straße, auf der wir vorhin Richtung Golden Gate Bridge gefahren sind.
Beim Blick auf die Scheinwerfer der Autos habe ich einen Kloß im Hals; auch dieses Mal fällt der Abschied von den USA sehr schwer.
Take care, America. Bis demnächst.

Sonntag, 20. Juli 2025

Freitag, 12. Juli 2025 Redding CA - Suisun City CA

Redding ist wirklich ein Hitzeloch. Wir hatten über Nacht die Klimaanlage ausgestellt und das Fenster geöffnet, und schon um 7 Uhr kommt eine solche Wärme ins Zimmer, dass wir es ohne Klimaanlage kaum aushalten. Zum Glück entspricht die Anlage dem auch sonst sehr guten Standard des Hotels und arbeitet unauffällig und leise. 
Der heutige Wetterbericht prognostiziert für Redding 42 Grad.
Beim Frühstück werden Omelette, Würstchen und Hash Browns-Röstis frisch zubereitet, das hatten wir in den Hotels der diesjährigen Tour ja bisher nicht. Ebenfalls überraschend ist, dass der Frühstücksraum für ein Hotel dieser Größe recht klein bemessen ist. Da jedoch die Amerikaner kaum Zeit auf ein gemütliches Frühstück verwenden und spätestens nach einer Viertelstunde fertig sind, braucht man auch deutlich weniger Sitzplätze und Tische als in einem vergleichbaren europäischen Hotel. Insgesamt war das „Oxford Suites“ auf dieser Tour das mit Abstand beste Kettenhotel, wir merken uns die Marke vor.
Kaum losgefahren sehen wir auf einem Parkplatz eine Ansammlung von Oldtimern. Das schauen wir uns an. Wie sich zeigt, ist dies eine Veranstaltung eines örtlichen Autoclubs, deren Mitglieder sich heute früh für zwei Stunden zusammengefunden haben, um sich zu treffen und auszutauschen. Während wir seinen 1957er Chevrolet Bel Air bewundern, kommen wir mit Rick ins Gespräch. „The car looks like brand new“ beglückwünschen wir ihn. Zwölf Jahre Arbeit und Suche nach Ersatzteilen habe er in das Auto gesteckt, antwortet er stolz. Danach erzählt er von der Oldtimerszene in Kalifornien und von den für sie geltenden Umwelt- und Höchstgeschwindigkeitsvorschriften, von dem wir jedoch wegen vieler Fachbegriffe und starkem Slang nicht alles verstehen.
Ein blauer 60er Jahre Ford Mustang Fastback gefällt mir sehr gut, Susanne ein Chevrolet Pickup aus den 1930er Jahren.Oskar darf sich sogar in eine Corvette C6 setzen, die aus den 2000er Jahren stammt und das mit Abstand neueste Auto ist. Auch ihr Besitzer, geschätzt fünfzig Jahre älter als sein Auto, ist auskunftsfreudig und wir unterhalten uns länger mit ihm. Kalifornien sei ideal für Oldtimer, da es trocken und warm sei; „Winter kills old cars“, meint er, wegen des Salzes auf den Straßen. Im Sommer sei Redding schon fast zu warm, hier müsse man bis 11 Uhr alles erledigt haben was draußen stattfindet. Heute wäre es noch nicht so extrem, weil der Rauch der Waldbrände über der Stadt läge. Nur mit Mühe könne man daher heute den Mount Shasta sehen, und zeigt dabei auf den nur ganz schemenhaft im Norden aufragenden monumentalen Vulkan, der uns vorher gar nicht aufgefallen war. Wo wir gestern hergekommen seien, fragt er dann. Über die California 36? Das sei wohl die berühmteste Motorradstrecke Amerikas, kommentiert er begeistert, hundert Meilen nur Kurven. Dass wir da gestern eher gemischte Gefühle hatten, erntet nur ein Schmunzeln.
Da sich die Veranstaltung langsam auflöst starten wir auch wieder und fahren auf der California 44 aus der Stadt in Richtung Lassen Volcanic National Park. Bald liegt der Rauch wie leichter Nebel über dem Land und es riecht unangenehm verbrannt. Feuerwehr oder Polizei ist jedoch nicht zu sehen, alle Autos verhalten sich ganz normal, der Waldbrand muss also weiter weg wüten.
Gespenstisch ist es trotzdem, für uns ist der Dunst einer Endzeit-Utopie nicht unähnlich, für die Leute hier alltäglich.
Als die Straße aus dem Sacramento Valley allmählich ansteigt, lassen wir den Rauch hinter uns. Durch dichte Wälder geht es stetig bergauf, die Bäume verhindern allerdings einen Blick auf den Lassen Peak, dessen Schneehaube nur kurzzeitig zu sehen ist. An der Einfahrtkontrolle zum Nationalpark steht er dann jedoch direkt vor uns und lässt sich am Manzanita Lake eindrucksvoll ablichten.
Der Lassen Volcanic National Park ist geprägt durch seine Vulkanlandschaft rund um den Lassen Peak, dem südlichsten Vulkan der Kaskadenkette. Dieser war zuletzt zwischen 1914 und 1921 aktiv, die Eruption im Mai 1915 war so stark, dass Vulkanasche bis in das 240 Kilometer entfernte Reno gelangte. Er gilt heute als einer der Vulkane mit der höchsten Ausbruchswahrscheinlichkeit, daher wird seine Aktivität kontinuierlich beobachtet. Bereits 1907 von Theodore Roosevelt als National Monument ausgewiesen, erhob Präsident Woodrow Wilson das Gebiet im Zuge der Ausbrüche zum Nationalpark.
Direkt hinter dem Fotostopp am Manzanita Lake liegt ein Visitor Center, in dem vor allem die vulkanische Geschichte des Parks dargestellt wird, insbesondere durch beeindruckende Fotos des Ausbruchs von 1914.
(QUELLE: WIKIPEDIA)
Ein Park Ranger empfiehlt uns, einen Film anzusehen, der wirklich informativ ist. So erfahren wir, dass hier früher ein wesentlich größerer Vulkan stand, der etwa vor 500.000 Jahren äußerst aktiv war und vor 27.000 Jahren im Zuge eines weiteren Ausbruchs zusammenbrach, bei dem dann der deutlich kleinere Lassen Peak entstand, immer noch 3.189 m hoch.
Wir folgen der California 89, die wie eine Scenic Route quer durch den Park und hinauf bis unter den Lassen Peak führt. Dabei bieten sich herrliche Ausblicke auf den Berg und seine Umgebung.
Wie am Crater Lake ist in den hochgelegenen Regionen der Winter eben erst vergangen; die Schneewände entlang der Fahrbahn sind ähnlich spektakulär.
Am höchsten Punkt der Straße auf 2.594 m Höhe steigen wir aus. Oskar macht eine kleinen Schneeausflug, während ich hinaufschaue zur Gipfelflanke, über die ein nicht zu schwerer Weg zum höchsten Punkt führt. Es juckt schon ein wenig in den Beinen, wenn Zeit und die Konstitution meines Fußes nicht unüberwindliche Grenzen setzen würden.
Später führt die Straße an mehreren schön gelegenen Bergseen vorbei, die wiederum schöne Blicke auf den Berg bieten.
Hier liegen noch von den vielen Ausbrüchen hochgeschleuderte Felsbrocken in Lastwagengröße herum, sie sehen aus wie die verstreuten Bauklötze eines Riesen.
Dann führt die Straße in vielen Windungen wieder herunter und passiert eine „Sulphur Works“ genannte Zone mit starker geothermaler Aktivität. Hier sind blubbernde Schlammlöcher zu sehen, deren aufsteigene Blasen aus Regen- und Schmelzwasser resultieren, das in die Tiefe versickert und dort von der heißen Magma erhitzt wird. Ein ganzer dampfender Hang daneben ist mit stinkenden Schwefelablagerungen überzogen; alles wirkt ähnlich wie am Yellowstone, nur nicht so weiträumig.
Als wir schließlich die Parkausfahrt passieren sind wir froh und glücklich, auch diesen Nationalpark auf unser Reiseprogramm gesetzt zu haben. Er gehört zu den wenig besuchten Parks, wodurch überall eine deutlich spürbare Ruhe und entspannte Atmosphäre herrscht.
Ein wenig Sentimentalität kommt aber auch auf: Nun beginnt endgültig die Heimreise. Da wir morgen bereits in San Francisco sein müssen, steht uns nun noch eine Autofahrt gen Süden bevor. In Red Bluff fahren wir wie gestern wieder auf die Interstate I-5 auf, diesmal jedoch southbound, unterbrochen nur durch einen Besuch bei STARBUCKS in Corning und beim IN'N'OUT-BURGER in Fairfield. Hier unten im Sacramento Valley zeigt das Thermometer tatsächlich 42 Grad an.
Über die I-505 und die I-80 erreichen wir schließlich Suisun City, ein Ort am Rande des Marschlandes am obersten Ende der San Francisco Bay. Hier haben wir uns nach den guten Erfahrungen vor zwei Jahren wieder im „Hampton Inn“ einquartiert. Leider ist das Hotel nicht mehr ganz so gut wie erhofft, jedoch für den letzten Abend völlig ausreichend, da wir nur mit Umpacken unserer im Auto und über viele Taschen verteilten Reiseutensilien, Kleidung und Einkäufe beschäftigt sind.
Am Ende ist alles in den vier Koffern und Taschen vom Hinflug sowie in einer vor ein paar Tagen bei WALMART erstandenen Zusatztasche verstaut. Ein komisches Gefühl, auf die gepackten Taschen zu schauen. Morgen geht es wirklich heim? Das kann doch eigentlich nicht wahr sein...

Samstag, 13. Juli 2025 Suisun City CA - San Francisco Airport CA

Der letzte Morgen in Amerika. Wir können kaum glauben, dass diese phantastische Reise heute zu Ende geht. Und wie schnell die Zeit vergangen...