Der heutige Wetterbericht prognostiziert für Redding 42 Grad.
Beim Frühstück werden Omelette, Würstchen und Hash Browns-Röstis frisch zubereitet, das hatten wir in den Hotels der diesjährigen Tour ja bisher nicht. Ebenfalls überraschend ist, dass der Frühstücksraum für ein Hotel dieser Größe recht klein bemessen ist. Da jedoch die Amerikaner kaum Zeit auf ein gemütliches Frühstück verwenden und spätestens nach einer Viertelstunde fertig sind, braucht man auch deutlich weniger Sitzplätze und Tische als in einem vergleichbaren europäischen Hotel. Insgesamt war das „Oxford Suites“ auf dieser Tour das mit Abstand beste Kettenhotel, wir merken uns die Marke vor.
Kaum losgefahren sehen wir auf einem Parkplatz eine Ansammlung von Oldtimern. Das schauen wir uns an. Wie sich zeigt, ist dies eine Veranstaltung eines örtlichen Autoclubs, deren Mitglieder sich heute früh für zwei Stunden zusammengefunden haben, um sich zu treffen und auszutauschen. Während wir seinen 1957er Chevrolet Bel Air bewundern, kommen wir mit Rick ins Gespräch. „The car looks like brand new“ beglückwünschen wir ihn. Zwölf Jahre Arbeit und Suche nach Ersatzteilen habe er in das Auto gesteckt, antwortet er stolz. Danach erzählt er von der Oldtimerszene in Kalifornien und von den für sie geltenden Umwelt- und Höchstgeschwindigkeitsvorschriften, von dem wir jedoch wegen vieler Fachbegriffe und starkem Slang nicht alles verstehen.
Ein blauer 60er Jahre Ford Mustang Fastback gefällt mir sehr gut, Susanne ein Chevrolet Pickup aus den 1930er Jahren.Oskar darf sich sogar in eine Corvette C6 setzen, die aus den 2000er Jahren stammt und das mit Abstand neueste Auto ist. Auch ihr Besitzer, geschätzt fünfzig Jahre älter als sein Auto, ist auskunftsfreudig und wir unterhalten uns länger mit ihm. Kalifornien sei ideal für Oldtimer, da es trocken und warm sei; „Winter kills old cars“, meint er, wegen des Salzes auf den Straßen. Im Sommer sei Redding schon fast zu warm, hier müsse man bis 11 Uhr alles erledigt haben was draußen stattfindet. Heute wäre es noch nicht so extrem, weil der Rauch der Waldbrände über der Stadt läge. Nur mit Mühe könne man daher heute den Mount Shasta sehen, und zeigt dabei auf den nur ganz schemenhaft im Norden aufragenden monumentalen Vulkan, der uns vorher gar nicht aufgefallen war. Wo wir gestern hergekommen seien, fragt er dann. Über die California 36? Das sei wohl die berühmteste Motorradstrecke Amerikas, kommentiert er begeistert, hundert Meilen nur Kurven. Dass wir da gestern eher gemischte Gefühle hatten, erntet nur ein Schmunzeln.
Da sich die Veranstaltung langsam auflöst starten wir auch wieder und fahren auf der California 44 aus der Stadt in Richtung Lassen Volcanic National Park. Bald liegt der Rauch wie leichter Nebel über dem Land und es riecht unangenehm verbrannt. Feuerwehr oder Polizei ist jedoch nicht zu sehen, alle Autos verhalten sich ganz normal, der Waldbrand muss also weiter weg wüten.
Gespenstisch ist es trotzdem, für uns ist der Dunst einer Endzeit-Utopie nicht unähnlich, für die Leute hier alltäglich.
Als die Straße aus dem Sacramento Valley allmählich ansteigt, lassen wir den Rauch hinter uns. Durch dichte Wälder geht es stetig bergauf, die Bäume verhindern allerdings einen Blick auf den Lassen Peak, dessen Schneehaube nur kurzzeitig zu sehen ist. An der Einfahrtkontrolle zum Nationalpark steht er dann jedoch direkt vor uns und lässt sich am Manzanita Lake eindrucksvoll ablichten.
Der Lassen Volcanic National Park ist geprägt durch seine Vulkanlandschaft rund um den Lassen Peak, dem südlichsten Vulkan der Kaskadenkette. Dieser war zuletzt zwischen 1914 und 1921 aktiv, die Eruption im Mai 1915 war so stark, dass Vulkanasche bis in das 240 Kilometer entfernte Reno gelangte. Er gilt heute als einer der Vulkane mit der höchsten Ausbruchswahrscheinlichkeit, daher wird seine Aktivität kontinuierlich beobachtet. Bereits 1907 von Theodore Roosevelt als National Monument ausgewiesen, erhob Präsident Woodrow Wilson das Gebiet im Zuge der Ausbrüche zum Nationalpark.
Direkt hinter dem Fotostopp am Manzanita Lake liegt ein Visitor Center, in dem vor allem die vulkanische Geschichte des Parks dargestellt wird, insbesondere durch beeindruckende Fotos des Ausbruchs von 1914.
Ein Park Ranger empfiehlt uns, einen Film anzusehen, der wirklich informativ ist. So erfahren wir, dass hier früher ein wesentlich größerer Vulkan stand, der etwa vor 500.000 Jahren äußerst aktiv war und vor 27.000 Jahren im Zuge eines weiteren Ausbruchs zusammenbrach, bei dem dann der deutlich kleinere Lassen Peak entstand, immer noch 3.189 m hoch.
Wir folgen der California 89, die wie eine Scenic Route quer durch den Park und hinauf bis unter den Lassen Peak führt. Dabei bieten sich herrliche Ausblicke auf den Berg und seine Umgebung.
Wie am Crater Lake ist in den hochgelegenen Regionen der Winter eben erst vergangen; die Schneewände entlang der Fahrbahn sind ähnlich spektakulär.
Am höchsten Punkt der Straße auf 2.594 m Höhe steigen wir aus. Oskar macht eine kleinen Schneeausflug, während ich hinaufschaue zur Gipfelflanke, über die ein nicht zu schwerer Weg zum höchsten Punkt führt. Es juckt schon ein wenig in den Beinen, wenn Zeit und die Konstitution meines Fußes nicht unüberwindliche Grenzen setzen würden.
Später führt die Straße an mehreren schön gelegenen Bergseen vorbei, die wiederum schöne Blicke auf den Berg bieten.
Hier liegen noch von den vielen Ausbrüchen hochgeschleuderte Felsbrocken in Lastwagengröße herum, sie sehen aus wie die verstreuten Bauklötze eines Riesen.
Dann führt die Straße in vielen Windungen wieder herunter und passiert eine „Sulphur Works“ genannte Zone mit starker geothermaler Aktivität. Hier sind blubbernde Schlammlöcher zu sehen, deren aufsteigene Blasen aus Regen- und Schmelzwasser resultieren, das in die Tiefe versickert und dort von der heißen Magma erhitzt wird. Ein ganzer dampfender Hang daneben ist mit stinkenden Schwefelablagerungen überzogen; alles wirkt ähnlich wie am Yellowstone, nur nicht so weiträumig.
Als wir schließlich die Parkausfahrt passieren sind wir froh und glücklich, auch diesen Nationalpark auf unser Reiseprogramm gesetzt zu haben. Er gehört zu den wenig besuchten Parks, wodurch überall eine deutlich spürbare Ruhe und entspannte Atmosphäre herrscht.
Ein wenig Sentimentalität kommt aber auch auf: Nun beginnt endgültig die Heimreise. Da wir morgen bereits in San Francisco sein müssen, steht uns nun noch eine Autofahrt gen Süden bevor. In Red Bluff fahren wir wie gestern wieder auf die Interstate I-5 auf, diesmal jedoch southbound, unterbrochen nur durch einen Besuch bei STARBUCKS in Corning und beim IN'N'OUT-BURGER in Fairfield. Hier unten im Sacramento Valley zeigt das Thermometer tatsächlich 42 Grad an.
Über die I-505 und die I-80 erreichen wir schließlich Suisun City, ein Ort am Rande des Marschlandes am obersten Ende der San Francisco Bay. Hier haben wir uns nach den guten Erfahrungen vor zwei Jahren wieder im „Hampton Inn“ einquartiert. Leider ist das Hotel nicht mehr ganz so gut wie erhofft, jedoch für den letzten Abend völlig ausreichend, da wir nur mit Umpacken unserer im Auto und über viele Taschen verteilten Reiseutensilien, Kleidung und Einkäufe beschäftigt sind.
Am Ende ist alles in den vier Koffern und Taschen vom Hinflug sowie in einer vor ein paar Tagen bei WALMART erstandenen Zusatztasche verstaut. Ein komisches Gefühl, auf die gepackten Taschen zu schauen. Morgen geht es wirklich heim? Das kann doch eigentlich nicht wahr sein...