Donnerstag, 19. Juni 2025

Montag, 16. Juni 2025 Stanley ID - Felt ID

Heute soll das Wetter schlechter werden, erste Vorboten des Wetterumschwungs waren gestern schon zu sehen. Zum Glück ist es heute früh noch sonnig, als wir unsere Blockhütte verlassen. Die Berge der Sawtooth Range zeigen sich in aller Pracht und bestens ausgeleuchtet, da sind die ersten guten Bilder schon auf dem Chip, bevor wir richtig losgefahren sind.
Die einzige Tankstelle im Ort lassen wir links liegen, den Tank wollen wir zu humaneren Preisen im Tal wieder füllen. 
Erste Station ist der Redfish Lake, wenige Kilometer südlich von Stanley. Ein Bergsee wie aus dem Bilderbuch: Wald an seinen Ufern, hohe Berge dahinter, wir sind begeistert.
Heute fahren wir über den Sawtooth Scenic Byway, der uns durch ein weites Wiesental zu Füßen der Berge führt. Ganz entspannt und mit bester Aussicht rollen wir viele Kilometer dahin.
Unterbrochen wird die Beschaulichkeit nur durch den Waagen des Sheriffs, der mit Blaulicht am Straßenrand steht. Langsam rollen wir vorbei: Eine große Hirschkuh liegt im Straßengraben, das Auto, das sie gerammt hat, steht stark beschädigt am Straßenrand. Der Sheriff ist gerade dabei, warnendes Flatterband anzubringen. Nach den Hirsch-Anblicken gestern waren wir ja schon gewarnt, dass die Wildwechsel anzeigenden Schilder "Game Crossing" nicht zum Spaß an der Straße stehen. Aber ein totes Tier und die Folgen eines Crashes zu sehen, schärft die Achtsamkeitssinne. Und prompt sehen wir noch zweimal Hirsche ganz nahe der Straße, eine Hirschkuh quert die Straße, kaum dass wir vorbei sind.
Die wunderbare Straße folgt weiter dem Tal, bis sich ein Bergzug in den Weg stellt. Zu diesem zieht sich der Galena Summit hinauf. Kurz vor der Passhöhe bietet ein Lookout noch einmal einen Rückblick das ganze Tal hinunter, wieder mit den Bergzacken dahinter - ein unglaublicher Ausblick mit Gändehaut-Effekt. Jenseits des 2.652 m hohen Übergangs wieder ein anderer Ausblick: Auch hier felsige Berge, der Talgrund darunter ist jedoch von dichtem Wald bedeckt.
Wir folgen der Straße bis Ketchum. Hier und im benachbarten Sun Valley befindet sich eines der ältesten Skiresorts der USA: 1936 wurde es eröffnet, schon damals im Beisein vieler Hollywood-Stars. Bis heute ist das Skigebiet, dessen Ski-Schneisen als Narben im Wald des Bald Mountain unübersehbar sind, einer der winterlichen Prominenten-Treffs. Gleichwohl: Die 14 Lifte von Sun Valley wirken im Vergleich zu Sölden, Ischgl oder Zermatt eher bescheiden. Aber dafür haben die hier den berühmten Pulverschnee, Champagne Powder genannt.
In Ketchum wollen wir heute frühstücken, obwohl es schon 11 Uhr durch ist. "The Kneadery" ist ein reines Frühstückslokal mit kernigem Ambiente. Wir nehmen direkt unter einem riesigen Bison-Kopf Platz, daneben hängt ein Elch und ein Hirsch. Wir bestellen Blueberry-Pankakes und Omelette mit Rösti, für Oskar einen Kids Burger. Von den Kalorien her ist dies ein Frühstück für drei Tage, aber es schmeckt unheimlich gut, die Bedienung ist freundlich und aufmerksam bei Kaffee-Nachschub, im Hintergrund laufen Rocksongs aus den 80ern - einfach klasse.
Satt gegessen rollen wir talauswärts und wieder der Ebene entgegen. Die US 20, in die wir unten einbiegen, verläuft genau am Fuß der Berge. Im Nu ist es wieder heiß, und wo die Infrastruktur zur Bewässerung endet, gehen auch die Felder wieder in Steppenland über.
Dann wird das Gestein um uns herum dunkel-rostrot. Dies sind erkaltete Lavaströme, wir nähern uns dem "Craters of the Moon National Monument".
Hier ist ein ganzes Vulkanfeld, das bei einem Ausbruch vorr 11 Millionen Jahren entstand, unter Schutz gestellt worden. Bei der Einfahrt in dieses Schutzgebiet kaufen wir den Jahrespass für die Nationalparks, der auch hier gilt. Eine zu einem kleinen Schwätzchen aufgelegte Parkrangerin errät sofort, dass wir aus Deutschland kommen. Dies sein ihr Hobby, erläutert sie uns, es kämen so viele Nationalitäten an ihrem Kassenhäuschen vorbei, interessanterwiese wohl viele Holländer. Und der deutsche Akzent sei leicht zu erkennen.
Der Loop Drive führt uns durch eine bizarr zerklüftete Landschaft. Vegetation gibt es in dieser lebensfeindlichen und heißen Umgebung nur an Stellen, an denen der Wind Humus angeweht hat. Meist sind es Gräser und Blumen, jedoch sind auch einige Bäume zu sehen. Am Inferno Cove steigen wir aus und besteigen einen alten Vulkankegel. Die kurze Wanderung über schwarzen Schotter führt uns bis zu diesem flach-abgerundeten Gipfel. Von hier oben hat man einen prächtigen Ausblick auf die Lavafelder und die Weite der Steppe. Oskar ist fasziniert, auf einem Vulkan zu stehen und Lavasteine in der Hand zu halten.
Zweiter Halt unseres Besuches ist die Snow Cove, ein Schlackekegel, der weit in die Tiefe hinabreicht und in der Tiefe so kalt ist, dass wir etwa 10 Meter unter uns Schnee sehen können. 
Der Name des Schutzgebietes stammt vom lebensfeindlichen Eindruck, den frühe Besucher hatten und diesen Begriff in einem Artikel im NATIONAL GEOGRAPHIC über ihre Expedition benutzt hatten. Präsident Calvin Coolidge erhob das Gebiet 1924 in den Status eines National Monuments, dessen Fläche seitdem mehrfach zum Teil deutlich vergrößert wurde. Der Staat Idaho ist bestrebt, das Schutzgebiet noch zum Nationalpark ernennen zu lassen, immerhin ist er der einzige Staat im Westen ohne Nationalpark. Diese Bemühungen waren jedoch bisher noch nicht von Erfolg gekrönt.
Anschließend geht unsere Fahrt weiter ostwärts. Inzwischen hat sich über dem Gebirge, das wir heute mittag verlassen hatten, eine gewaltige Gewitterzelle gebildet, die uns jedoch nicht mehr ereilt.
Wir lassen die Berge hinter uns und fahren in die Ebene hinein, eine menschenleere Wüste ohne Horizont, nur begrenzt durch die Erdkrümmung. Susanne meint, sie habe es sich vor unseren ganzen Reisen hier in den Westen einfach nicht vorstellen können, wie riesig Amerika ist und welch unglaubliche Flächen absolut menschenleer sind. Jetzt diese riesigen Weiten tatsächlich zu durchfahren ist immer wieder unglaublich.
Hier wird jeder ordinäre Straßenkreuzung, sofern sie auch nur ein paar Häuser besitzt, zu einem Ort auf der Landkarte, weil es nicht anderes gibt in dieser Leere. Welche Menschen hier wohl leben? Ein paar Farmer vielleicht, und scheinbar auch der ein oder andere Anwalt, denn einer dieser Flecken hat tatsächlich ein Court House.
Der größte Ort hier ist Arco. Trotz aller Trostlosigkeit wurde hier Weltgeschichte geschrieben, denn Arco ist der erste Ort, der mittels Atomkraft Strom erhielt. Das war 1955, als der BORAX-III-Versuchsreaktor erstmals zivil genutzte Kernenergie gewann und für eine Stunde Strom produzierte.
Weiter geht es durch die Wüste. Das flache Land erlaubt wieder gerade Straßen, der Verkehr ist sehr mäßig, und wir cruisen dahin. 
Witzigerweise hat eine Gewerbeanlage wohl gerade Feierabend, als wir vorbeikommen, und hinter uns reihen sich die Autos der Angestellten ein. So lässt sich beobachten,  welche Distanzen hier der Weg zur Arbeit bedeutet, nahezu alle Autos fahren 40 Meilen hinter uns her und biegen dann auf die Interstate auf, die wir kreuzen; ihr Weg ist also durchaus noch länger.
Erst kurz vor Rexburg kommen wir wieder n die Nähe des Snake Rivers, und allmählich wird die Umgebung wieder grüner. Hinter der Stadt sind die Bedingungen für Agrarwirtschaft wohl noch günstiger, denn im Schatten der allgegenwärtigen Wassersprenger gedeihen hier Getreide, Kartoffeln und andere Erzeugnisse auf riesigen Feldern.
Inzwischen hat sich auch  der Horizont mit Leben gefüllt. Erst waren es grüne Hügel, aus denen sich inzwischen ein Felsgebirge mit zum Teil schneebedeckten Bergen erhebt. Das ist die Teton Range, die Rückseite des Grand Teton National Park, den wir morgen besuchen wollen.
Nun ist es nicht mehr weit bis zu unserer Unterkunft. Diese liegt wieder in der Einsamkeit grüner Wiesen und besteht aus einer zu Wohnzwecken umgebauten Scheune, in der wir im Erdgeschoss einziehen. Die Wohnung ist im ländlichen Stil gehalten und schön eingerichtet; dazu hat sie auch von der Terrasse einen herrlichen Blick auf die Teton Range, der jedoch nicht nutzbar ist, den pünktlich gehen auf der Wiese die Rasensprenger an, als wir uns gemütlich hinsetzen wollen.
Also verlegen wir das Abendbrot nach drinnen und schauen nur gelegentlich, welche Farben die Berge in der Abendstimmung haben.
Das große Gewitter vom frühen Nachmittag hatte uns durch die Wüste verfolgt, die dunklen Wolken kamen immer näher, und uns schwante für morgen nichts Gutes. Am Abend hat sich die Unwetterschau jedoch in Wohlgefallen aufgelöst. Der Himmel ist zwar nicht klar, aber die Wolken sind verschwunden. Ein gutes Omen für morgen.

Samstag, 13. Juli 2025 Suisun City CA - San Francisco Airport CA

Der letzte Morgen in Amerika. Wir können kaum glauben, dass diese phantastische Reise heute zu Ende geht. Und wie schnell die Zeit vergangen...