Heute soll das Wetter schlechter werden, erste Vorboten des Wetterumschwungs waren gestern schon zu sehen. Zum Glück ist es heute früh noch sonnig, als wir unsere Blockhütte verlassen. Die Berge der Sawtooth Range zeigen sich in aller Pracht und bestens ausgeleuchtet, da sind die ersten guten Bilder schon auf dem Chip, bevor wir richtig losgefahren sind.

Die einzige Tankstelle im Ort lassen wir links liegen, den Tank wollen wir zu humaneren Preisen im Tal wieder füllen.
Erste Station ist der Redfish Lake, wenige Kilometer südlich von Stanley. Ein Bergsee wie aus dem Bilderbuch: Wald an seinen Ufern, hohe Berge dahinter, wir sind begeistert.
Heute fahren wir über den Sawtooth Scenic Byway, der uns durch ein weites Wiesental zu Füßen der Berge führt. Ganz entspannt und mit bester Aussicht rollen wir viele Kilometer dahin.
Unterbrochen wird die Beschaulichkeit nur durch den Waagen des Sheriffs, der mit Blaulicht am Straßenrand steht. Langsam rollen wir vorbei: Eine große Hirschkuh liegt im Straßengraben, das Auto, das sie gerammt hat, steht stark beschädigt am Straßenrand. Der Sheriff ist gerade dabei, warnendes Flatterband anzubringen. Nach den Hirsch-Anblicken gestern waren wir ja schon gewarnt, dass die Wildwechsel anzeigenden Schilder "Game Crossing" nicht zum Spaß an der Straße stehen. Aber ein totes Tier und die Folgen eines Crashes zu sehen, schärft die Achtsamkeitssinne. Und prompt sehen wir noch zweimal Hirsche ganz nahe der Straße, eine Hirschkuh quert die Straße, kaum dass wir vorbei sind.
Die wunderbare Straße folgt weiter dem Tal, bis sich ein Bergzug in den Weg stellt. Zu diesem zieht sich der Galena Summit hinauf. Kurz vor der Passhöhe bietet ein Lookout noch einmal einen Rückblick das ganze Tal hinunter, wieder mit den Bergzacken dahinter - ein unglaublicher Ausblick mit Gändehaut-Effekt. Jenseits des 2.652 m hohen Übergangs wieder ein anderer Ausblick: Auch hier felsige Berge, der Talgrund darunter ist jedoch von dichtem Wald bedeckt.
Wir folgen der Straße bis Ketchum. Hier und im benachbarten Sun Valley befindet sich eines der ältesten Skiresorts der USA: 1936 wurde es eröffnet, schon damals im Beisein vieler Hollywood-Stars. Bis heute ist das Skigebiet, dessen Ski-Schneisen als Narben im Wald des Bald Mountain unübersehbar sind, einer der winterlichen Prominenten-Treffs. Gleichwohl: Die 14 Lifte von Sun Valley wirken im Vergleich zu Sölden, Ischgl oder Zermatt eher bescheiden. Aber dafür haben die hier den berühmten Pulverschnee, Champagne Powder genannt.
In Ketchum wollen wir heute frühstücken, obwohl es schon 11 Uhr durch ist. "The Kneadery" ist ein reines Frühstückslokal mit kernigem Ambiente. Wir nehmen direkt unter einem riesigen Bison-Kopf Platz, daneben hängt ein Elch und ein Hirsch. 


Wir bestellen Blueberry-Pankakes und Omelette mit Rösti, für Oskar einen Kids Burger. Von den Kalorien her ist dies ein Frühstück für drei Tage, aber es schmeckt unheimlich gut, die Bedienung ist freundlich und aufmerksam bei Kaffee-Nachschub, im Hintergrund laufen Rocksongs aus den 80ern - einfach klasse.

Satt gegessen rollen wir talauswärts und wieder der Ebene entgegen. Die US 20, in die wir unten einbiegen, verläuft genau am Fuß der Berge. Im Nu ist es wieder heiß, und wo die Infrastruktur zur Bewässerung endet, gehen auch die Felder wieder in Steppenland über.
Dann wird das Gestein um uns herum dunkel-rostrot. Dies sind erkaltete Lavaströme, wir nähern uns dem "Craters of the Moon National Monument".
Hier ist ein ganzes Vulkanfeld, das bei einem Ausbruch vorr 11 Millionen Jahren entstand, unter Schutz gestellt worden. Bei der Einfahrt in dieses Schutzgebiet kaufen wir den Jahrespass für die Nationalparks, der auch hier gilt. Eine zu einem kleinen Schwätzchen aufgelegte Parkrangerin errät sofort, dass wir aus Deutschland kommen. Dies sein ihr Hobby, erläutert sie uns, es kämen so viele Nationalitäten an ihrem Kassenhäuschen vorbei, interessanterwiese wohl viele Holländer. Und der deutsche Akzent sei leicht zu erkennen.
Der Loop Drive führt uns durch eine bizarr zerklüftete Landschaft.
Vegetation gibt es in dieser lebensfeindlichen und heißen Umgebung nur an Stellen, an denen der Wind Humus angeweht hat. Meist sind es Gräser und Blumen, jedoch sind auch einige Bäume zu sehen. Am Inferno Cove steigen wir aus und besteigen einen alten Vulkankegel. 