Heute haben wir zum ersten Mal einen Termin einzuhalten: Um 7:05 Uhr holt uns der Airport-Shuttlebus am Hotel ab, mit dem wir zur Mietwagen-Ausgabe am Flughafen fahren wollen. Vorher müssen wir unsere Sachen wieder verpacken und wollen auch noch einen Kaffee trinken und ein wenig frühstücken. Wir sind jedoch gut in der Zeit und es kommt kein Stress auf.
Das Warten auf den Shuttlebus ist immer spannend, nachdem wir in Neuseeland einmal versetzt wurden.
Der Bus ist jedoch pünktlich da und bringt uns zum Terminal 1 des Airports. Das "Harvey Milk Terminal" präsentiert sich uns als elegantes luftiges Bauwerk mit geschwungenen Linien im Inneren - ein architektonisch gelungenes Abfertigungsgebäude. Wir erleben es jedoch nur beim Durchlaufen zum Bahnhof der Flughafen-Metro, die uns zur Station "Car Rental" bringt.
Hier sind wir gerade vor dem großen Morgenansturm angekommen und müssen kaum warten.
Der Mitarbeiter von ALAMO ist gut drauf und vor allem gut verständlich, was ja nicht unbedingt die Regel ist. Er registriert ein wenig verwundert , dass unsere Daten bereits im System sind. Ach ja, meint er dann, "ihr mietet ja schon zum vierten Mal ein Auto bei uns, also so etwas wie Stammkunden. Unser Einwand, dass Stammkunden doch ein Upgrade bekommen könnten, kontert er jedoch lächelnd mit der Bemerkung, unser Auto sei auch so groß genug für drei Personen.
In der Tat nehmen wir dann ein riesiges Gefährt entgegen, ein nahezu flammneuer weißgrauer FORD EXPEDITION, der in jedem Fall hinreichend Platz für uns und unsere Koffer bietet.
Here we go - Susanne ist anfangs noch ein wenig vorsichtig mit den Dimensionen des Gefährts, jedoch bieten Rückfahr-, Seiten- und sonstige Kameras beim Rückwärtsfahren und Rangieren jederzeit einen guten Überblick; wir witzeln, dass der Ford mehr Kameras an Bord hat als die fahrerlosen Autos gestern in der Stadt.
Raus aus dem Parkhaus und rauf auf die Interstate Richtung San Francisco. Die Stadt liegt heute unter dichtem Hochnebel, wir hatten gestern auf jeden Fall Glück mit dem Wetter.
Wir überqueren die Bucht von San Francisco über die doppelstöckige Bay Bridge, halten noch kurz an auf Treasure Island, einer Insel auf der Häfte der Brücke. Der angepriesene Traumblick auf die Stadt gestaltet sich wegen des Nebels duchwachsen, auch von der Golden Gate Bridge sind nur die Rampen zu erkennen.
Aber niemand von uns klagt heute über das Wetter nach dem tollen Erlebnis gestern.
Jenseits der Brücke lassen wir Oakland rechts liegen und unterqueren das Küstengebirge durch einen uralten Tunnel. Kaum auf der anderen Seite angekommen erwartet uns Sonnenschein, wolkenloser Himmel und deutlich höhere Temperaturen. Von der Waschküche auf Seiten San Franciscos künden nur noch einige Wolken über den Bergen.
Wir fahren zum WALMART Supercenter in Antioch ab und kaufen dort neben Lebensmitteln und Getränken auch e Utensilien, die wir auf unserer Reise brauchen, vor allem eine Kühlbox mit Kühlakkus. Schlussendlich können wir unsere komplette Einkaufsliste abarbeiten und sind bald wieder unterwegs.
Richtung Stockton durchfahren wir das California Central Valley. Rechts und links der schnurgeraden Straße die gewohnten landwirtschaftlichen Großbetriebe, hier vor allem Kirsch-Plantagen, bei denen auch zum Selbstpflücken geworben wird, dazwischen Bewässerungskanäle jeder Größe.
Hinter Stockton wird die Landschaft allmählich hügeliger, überall wächst nun das für uns als typisch kalifornisch empfundene goldgelbe Gras.
Am Horizont sind höhere Berge zu sehen, die Sierra Nevada, über die wir rüber wollen.
Kurz vor Jackson haben wir ein Déja vu: Hier waren wir schon einmal. Und tatsächlich - durch die alte Goldgräberstadt sind wir vor zwei Jahren bereits durchgefahren. So können wir auf eine Rundfahrt durch den noch immer ein wenig Wildwest-Atmosphäre ausstrahlenden Ortskern verzichten.
Nun wandelt sich der Charakter der Straße deutlich: Es geht ab jetzt nur noch bergauf, über Dutzende Kilometer, von den 371 m Höhe Jacksons bis auf über 2.600 m steigt nun die durchweg gut trassierte Straße an. Es gibt bis oben keine Serpentinen oder unübersichtliche Kurven und eine gleichbleibende Steigung, das macht den Pass angenehm zu fahren. Es geht zunächst nur durch Wald, erst ganz weit oben öffnet sich der Blick auf schneebedeckte Berge, die von unten noch gar nicht zu erkennen waren. 
Auch an einigen Bergseen kommen wir vorbei, was der Fahrt zusätzlichen Reiz gibt.

Oben nahe der Passhöhe queren wir den Pacific Crest Trail, den von der mexikanischen zur kanadischen Grenze führenden Fernwanderweg, und sehen tatsächlich auch eine Wanderin mit großem Rucksack. Fünf Monate ist man auf dem Trail unterwegs, von der Schneeschmelze bis zum ersten Schneefall.
Auch jenseits der Passhöhe des Carson Pass auf 2.614 m Höhe bleibt die Fahrt wunderschön. Hier rollen wir durch ausgedehnte Wiesenböden bergab, was die Landschaft ganz anders aussehen lässt als auf der Westseite.

Ein Pass liegt noch zwischen uns und dem Lake Tahoe, der 2.360 m hohe Luther Pass, der jedoch nach den Schauwerten des Carsons Pass eher unspektakulär wirkt.
Je näher wir dem See kommen, desto mehr nimmt der Verkehr zu, und unten an der den See umrundenden Straße stehen wir prompt im Stau - welch ein Kontrast zur dünn befahrenen Passstraße von eben. Den See sehen wir dabei zunächst gar nicht, denn hier ist alles verbaut - Ferienanlagen, Hotels, Geschäfte - es mutet fast städtisch an.
Der Lake Tahoe, sein Name kommt aus der indianischen Washoe-Sprache, in der Tahoe "See" bedeutet, ist mit 501 Metern der zweittiefste und mit einem Wasserspiegel auf 1.889 m auch einer der höchstgelegenen Seen der USA. Er liegt so hoch, dass von der Uferstraße aus Skilifte emporführen, so dass man im Winter auf den See zufahren kann. Zum Baden lockt das von Gebirgsbächen gespeiste Gewässer auch im Hochsommer nur Hartgesottene, was seiner Beliebtheit jedoch keinen Abbruch tut. Die Konsequenz ist jede Menge Betrieb, selbst jetzt in der Vorsaison, sowie ein verbautes und außerhalb der State Parks unzugängliches Ufer. Unsere Versuche, ans Wasser zu gelangen, enden entweder vor "Private"-Schildern oder horrenden Parkgebühren.
Noch krasser wird es in Nevada. Im wahrsten Sinne des Wortes unmittelbar hinter der Staatsgrenze beginnt eine Casinostadt mit Hochhäusern und all dem grellen Schein, der mit dem Glücksspiel einhergeht. Wer's mag, uns gefällt es gar nicht.
Schließlich macht die Topographie dem Treiben ein Ende, es beginnt die Steilküste des Ostufers, an der die Straße nun deutlich höher und kurvenreicher verläuft. Nun sind es große Villen, die an aussichtsreichen Stellen im Hang stehen. Und auch hier ist man als Durchfahrender nur Zaungast, denn einen Blick auf den See kann man nur gelegentlich und nur ganz kurz erhaschen.
Unsere Hoffnung auf Aussicht über den See erfüllt sich erst in einem State Park viel weiter nördlich. Hier gibt es einen kostenlosen Parkplatz, ein wunderbares Seepanorama und sogar einen direkten Zugang zum Wasser.

Oskar und ich steigen den steilen Pfad hinunter. Hier klatschen die Wellen an die Uferfelsen, wir finden jedoch keine Stelle für ein Fußbad.
Der Nevada State Park bietet an der Straße noch einige Scenic Overlooks, doch kaum hinter seiner Grenze beginnt wieder die Bebauung. Und auch der nächste Casinokomplex lässt nicht lange auf sich warten.
Wir verlassen den Lake Tahoe an seiner Nordostecke in Incline Village. Hier beginnt der Mount Rose Summit, mit 2.716 m der höchste ganzjährig geöffnete Pass in der Sierra Nevada. Ein Viewpoint in einer Straßenkehre lässt uns noch einmal über den See schauen. Von hier oben bleiben die Bausünden unsichtbar, wahrscheinlich hat man nur von der Höhe aus die Möglichkeit, den Zauber dieser herrlichen Landschaft zu begreifen, dieses tiefblauen Sees vor den hohen Bergen.
Auch diese Passstraße ist gut zu fahren, und von der Passhöhe können wir bereits auf Reno herunterschauen.
Stadteinwärts nehmen wir dann die Interstate. Beim Näherkommen sind die Hochhäuser der Casinos unübersehbar, immerhin ist Reno neben Las Vegas und Atlantic City eine der traditionellen Zentren des Glücksspiel in den USA.
Unsere AirBnB-Unterkunft "Foley's Nest" liegt in einem Vorort der gehobenen Mittelklasse. Die Häuser und ihre Gärten sind gepflegt und die Straßen pikobello sauber. Auch die Ferienwohnung ist sehr schön, eine Wohltat nach dem langen Tag. Nach dem Abendessen fallen uns dann auch recht schnell die Augen zu.