Als wir um halb sechs das Rollo am Fenster hochziehen, herrscht dichter Nebel. Das ist ja hier nicht unbedingt selten, aber angesagt war eigentlich Sonnenschein. Nun ja, das Wetter hat also noch Entfaltungsmöglichkeiten.
Das Frühstück in unserem Hotel ist kaum befriedigend, das wissen wir noch vom letzten Besuch vor zwei Jahren, und es ist nicht besser geworden. Dafür ist der Kaffee ausgezeichnet, kein ultrastarkes Gebräu, wie es in Amerika modern geworden ist - einfach richtig guter Kaffee. Dieser tut auch Not, denn die Nacht war wie erwartet kaum erholsam.
Heute steht San Francisco auf dem Programm, eine pfiffige Stadtrundfahrt und ein wenig Cable Car-Fahren stehen auf dem Programm.
Für den Weg in die Stadt wählen wir UBER und erwischen einen netten und in positivem Sinne gesprächigen Fahrer. Dieser schwärmt nicht nur von Deutschland nach seinen Besuchen in Hamburg und Berlin direkt nach dem Fall der Mauer, er ist auch Fremdenführer für japanische Gäste und hat dementsprechend viel zu erzählen. Zum Beispiel erfahren wir, dass ein unscheinbares Krankenhaus neben dem Highway 101 von Mark Zuckerberg besponsort wurde und so zu einem der besten Krankenhäuser Kaliforniens avancieren konnte, oder dass die vielen grauen Busse auf den Straßen die Pendler zu Apple, Google und Co bringen. Dieser Service werde hervorragend angenommen, da es sich in der Stadt viel cooler leben lässt als in den Suburbia-Orten rund um das Silicon Valley.
Das habe natürlich drastische Auswirkungen auf die Mieten und Immobilienpreise, da zum Beispiel Google bereits an Uni-Absolventen 150.000 $ Einstiegsgehalt zahlt. Da werde so mancher Alteingesessene aus seiner Wohnung verdrängt. Aber es beklagt sich kaum jemand, da die EDV-Wirtschaft brumme und der Boom letzten Endes irgendwie allen zu Gute komme. Dann zeigt er uns ein Taxi ohne Fahrer, ein autonom fahrendes Auto, von denen es hier viele gibt. Sie haben mehr als 90 Kameras und Hunderte Sensoren und würden sich gut bewähren, meint er. "Und was ist, wenn die Autos einen Unfall haben?" frage ich. Im Zweifel zahlte dann die Versicherung, antwortet er, "Google und Co verdient so viel Geld, für die sind selbst horrende Versicherungsbeiträge nur ein Hobby."
Nach einer Dreiviertelstunde sind wir am Hotel Argonaut und der Cable Car-Endstation nahe des Hafenviertels Fisherman's Wharf angekommen, dem Treffpunkt für unsere Stadtrundfahrt. Wir bedanken uns für die unterhaltsame Fahrt und haben nun noch ein wenig Zeit. Also schauen wir uns die Cable Car-Station an und schlendern die Jefferson Street mit ihren gerade öffnenden Souvenirläden entlang bis zum berühmten Zeichen Fisherman's Wharf.
Dieser schaut noch genauso abgezockt aus wie vor zwei Jahren, also weiter zum Pier 39 mit seiner Seelöwen-Kolonie. Die Tiere sind schon von Weitem zu hören und tummeln sich auch heute auf den Pontons des Hafenbeckens.
Alcatraz liegt gegenüber, die Golden Gate Bridge wie immer bei unseren Besuchen im Nebel.
Wir essen beim Blick auf die Bucht ein paar Sandwiches, die wir unterwegs in der Boudin Bakery gekauft haben, und spazieren wieder zurück.
Nun ist es 11 Uhr, und pünktlich für unsere Rundfahrt fahren zwei alte VW Bullys in Hippie-Bemalung vor. Carol, unsere Fahrerin, ebenfalls gekleidet in dezentem Hippie-Outfit, begrüßt uns, und zusammen mit einer Familie aus Texas besteigen wir das rostige Gefährt.
Unsere Fahrt geht zunächst an der Bucht entlang durch den Marina District. Hier stehen wunderbare alte Stadthäuser mit unverbauten Bucht-Blick und riesigen Panoramafenstern. Die Pracht habe ihren Preis, erklärt Carol, in der Stadt der Internet-Milliardäre könnte solch ein Haus schon mal sechzig Millionen Doller kosten.
Unser erster Halt ist am Palace of Fine Arts, eine große, den antiken Tempeln nachempfundene Anlage mit Kuppelbau, Skulpturen und Parkankage. Von diesem Bauwerk haben wir noch nie etwas gehört und sind beeindruckt von der Pracht des Ensembles.