Freitag, 13. Juni 2025

Donnerstag, 12. Juni 2025 San Francisco CA

Als wir um halb sechs das Rollo am Fenster hochziehen, herrscht dichter Nebel. Das ist ja hier nicht unbedingt selten, aber angesagt war eigentlich Sonnenschein. Nun ja, das Wetter hat also noch Entfaltungsmöglichkeiten.
Das Frühstück in unserem Hotel ist kaum befriedigend, das wissen wir noch vom letzten Besuch vor zwei Jahren, und es ist nicht besser geworden. Dafür ist der Kaffee ausgezeichnet, kein ultrastarkes Gebräu, wie es in Amerika modern geworden ist - einfach richtig guter Kaffee. Dieser tut auch Not, denn die Nacht war wie erwartet kaum erholsam.
Heute steht San Francisco auf dem Programm, eine pfiffige Stadtrundfahrt und ein wenig Cable Car-Fahren stehen auf dem Programm.
Für den Weg in die Stadt wählen wir UBER und erwischen einen netten und in positivem Sinne gesprächigen Fahrer. Dieser schwärmt nicht nur von Deutschland nach seinen Besuchen in Hamburg und Berlin direkt nach dem Fall der Mauer, er ist auch Fremdenführer für japanische Gäste und hat dementsprechend viel zu erzählen. Zum Beispiel erfahren wir, dass ein unscheinbares Krankenhaus neben dem Highway 101 von Mark Zuckerberg besponsort wurde und so zu einem der besten Krankenhäuser Kaliforniens avancieren konnte, oder dass die vielen grauen Busse auf den Straßen die Pendler zu Apple, Google und Co bringen. Dieser Service werde hervorragend angenommen, da es sich in der Stadt viel cooler leben lässt als in den Suburbia-Orten rund um das Silicon Valley.
Das habe natürlich drastische Auswirkungen auf die Mieten und Immobilienpreise, da zum Beispiel Google bereits an Uni-Absolventen 150.000 $ Einstiegsgehalt zahlt. Da werde so mancher Alteingesessene aus seiner Wohnung verdrängt. Aber es beklagt sich kaum jemand, da die EDV-Wirtschaft brumme und der Boom letzten Endes irgendwie allen zu Gute komme. Dann zeigt er uns ein Taxi ohne Fahrer, ein autonom fahrendes Auto, von denen es hier viele gibt. Sie haben mehr als 90 Kameras und Hunderte Sensoren und würden sich gut bewähren, meint er. "Und was ist, wenn die Autos einen Unfall haben?" frage ich. Im Zweifel zahlte dann die Versicherung, antwortet er, "Google und Co verdient so viel Geld, für die sind selbst horrende Versicherungsbeiträge nur ein Hobby."
Nach einer Dreiviertelstunde sind wir am Hotel Argonaut und der Cable Car-Endstation nahe des Hafenviertels Fisherman's Wharf angekommen, dem Treffpunkt für unsere Stadtrundfahrt. Wir bedanken uns für die unterhaltsame Fahrt und haben nun noch ein wenig Zeit. Also schauen wir uns die Cable Car-Station an und schlendern die Jefferson Street mit ihren gerade öffnenden Souvenirläden entlang bis zum berühmten Zeichen Fisherman's Wharf. Dieser schaut noch genauso abgezockt aus wie vor zwei Jahren, also weiter zum Pier 39 mit seiner Seelöwen-Kolonie. Die Tiere sind schon von Weitem zu hören und tummeln sich auch heute auf den Pontons des Hafenbeckens.Alcatraz liegt gegenüber, die Golden Gate Bridge wie immer bei unseren Besuchen im Nebel.
Wir essen beim Blick auf die Bucht ein paar Sandwiches, die wir unterwegs in der Boudin Bakery gekauft haben, und spazieren wieder zurück.
Nun ist es 11 Uhr, und pünktlich für unsere Rundfahrt fahren zwei alte VW Bullys in Hippie-Bemalung vor. Carol, unsere Fahrerin, ebenfalls gekleidet in dezentem Hippie-Outfit, begrüßt uns, und zusammen mit einer Familie aus Texas besteigen wir das rostige Gefährt.
Unsere Fahrt geht zunächst an der Bucht entlang durch den Marina District. Hier stehen wunderbare alte Stadthäuser mit unverbauten Bucht-Blick und riesigen Panoramafenstern. Die Pracht habe ihren Preis, erklärt Carol, in der Stadt der Internet-Milliardäre könnte solch ein Haus schon mal sechzig Millionen Doller kosten.
Unser erster Halt ist am Palace of Fine Arts, eine große, den antiken Tempeln nachempfundene Anlage mit Kuppelbau, Skulpturen und Parkankage. Von diesem Bauwerk haben wir noch nie etwas gehört und sind beeindruckt von der Pracht des Ensembles.
Weiter geht die Fahrt nach Presidio, dem historischen Militärstützpunkt vor dem Golden Gate, der Einfahrt in die Bucht von San Francisco. In der parkähnlichen Anlage sind die alten Kasernengebäude noch erhalten und werden nun als zum Teil repräsentative Wohnhäuser und für Gewerbeflächen genutzt, von denen Lucasfilm und Industrial Light & Magic die bekanntesten Mieter sind.
Dann nähern wir uns dem ersten Höhepunkt der Fahrt. Wir fahren am Wasser entlang bis zur Fort Point National Historic Site, der alten Festung direkt unterhalb der Golden Gate Bridge. Diese ist jetzt völlig nebelfrei, was für ein Anblick, unsagbar elegant spannt sich die Brücke über das Wasser. Mit dem unglaublichen Panorama auf die sich beinahe über uns aufragenden Brücke geht für uns ein Traum in Erfüllung.
Zwei weitere Spots hat Carol noch für uns, das berühmte Bauwerk aus recht unbekannten Perspektiven zu betrachten, unter den heutigen Bedingungen einer schöner als der andere.
Nun darf Oskar vorne auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Er freut sich mächtig darüber, ist jedoch ein wenig eingeschüchtert von Carols Freundlichkeit, von der er ja noch kein Wort verstehen kann.
Weiter geht die Fahrt, bergauf und bergab, die Stadt liegt auf einem Gebiet, dessen Relief für den Bau einer Metropole völlig ungeeignet ist.
Im Hayes-District können wir noch Reste der 60er und 70er-Subkultur sehen: Riesige Plattenläden für Vinyl-LPs, schrille Geschäfte und die Häuser von Jefferson Airplane und Jimi Hendrix, alles irgendwie noch authentisch wirkend und nicht museal- gentrifiziert wie in Londons Notting Hill. Über die Immobilienpreise machen wir uns trotzdem keine Illusionen.
Als nächstes halten wir bei den "Painted Ladies", der bunten Häusergruppe am Park, eines der bekanntesten Motive San Franciscos. Hier ist jede Menge los, es ist fast schwierig, ein Foto ohne einen Vordergrund ohne viele Menschen zu machen.
Durch Chinatown mit seinen engen Straßen hindurch kommen wir zum zweiten besonderen Highlight der Tour, und wieder geht ein Traum in Erfüllung: Wir fahren die engen Serpentinen der Lombard Street hinunter. Dies hätte ihr Chef eigentlich gar nicht gerne, weil die Straße so steil sei, aber wenn wir es ihm nicht verraten würden wäre es ok. Nun fahren wir also die Straße herunter und sind mit unserem Hippie-Mobil die Stars auf so manchem Foto der vielen anwesenden Touristen.
Nach den Serpentinen geht die Lombard Street mit weiterhin deutlichem Gefälle gerade weiter hinunter, mit den bekannten ebenen Flächen bei den Querstraßen. Carol nimmt die Straße mit solidem Tempo, jeder Straßenabsatz führt bei uns und den Texanern zu lauten Juchzern. Meine Bemerkung dazu: "It's like Steve McQueen in BULLITT". Dass alle Erwachsenen lachen, zeigt mir, dass ich von Cineasten umgeben bin.
Carol lässt uns an der Cable Car-Station in der Mason Street raus, da wir hier ohne die sonst üblichen Wartezeiten in die Bahn umsteigen können.
Wir nehmen in dem alten Gefährt auf einem der Außensitze Platz, bei denen die Beine fast über der Straße hängen. Ein Wunder, dass das noch nicht verboten wurde. So macht das Fahren viel mehr Spaß als in der Kabine, obwohl das bei dem Gerumpel und dem Lärm während der Fahrt selbst uns Erwachsenen ein wenig unheimlich ist.
Wir fahren bis zur Station California Avenue, da ich hier ein Foto mit der die steile Straße heraufkommenden Bahn machen möchte. Dies klappt gleich beim ersten Versuch, so dass meine Lieben nicht allzu lange auf mich warten müssen.
Nun sind wir von dem Erlebten ziemlich geschafft, auch der Jetlag kommt so langsam durch. Also noch eine letzte Fahrt mit dem rumpelnden Oldtimer bis zur Endstation an der Powell Street, wo wir auch noch einmal beim händischen Drehen der Fahrzeuge zuschauen können. Dann wollen wir zurück ins Hotel. Leider sind die UBER-Fahrer zur Nachmittagszeit nun nahezu unerschwinglich, so dass wir auf die BART-Züge ausweichen.
Nach einem letzten Zwischenstopp an einem TARGET-Supermarkt sind wir endlich wieder in unserem Zimmer. Nun wollen wir noch etwas essen, was sich als nicht zu kleines Problem herausstellt. Die Pizzerien in der Umgebung und die Lieferdienste rufen für ihre Pizzen Preise auf, die schlicht unverschämt sind, und es kämen noch die Steuern, irgendwelche Service- und Liefergebühren und eigentlich auch noch das inzwischen ebenso absurde Trinkgeld hinzu. Wir hadern lange mit uns, sind uns dann aber einig, dass wir nicht 100 Dollar für drei Pizzen ausgeben wollen. Zum Glück lässt sich über UBER EATS auch bei Subway bestellen. Auch die Preise der Sandwiches werden durch diverse Tricks hochgejazzt, kommen aber dann doch nicht so stimmungstötend aufgepumpt daher.
Nach dem Essen fallen uns die Augen zu, obwohl es erst 20 Uhr und draußen noch heller Tag ist.

Samstag, 13. Juli 2025 Suisun City CA - San Francisco Airport CA

Der letzte Morgen in Amerika. Wir können kaum glauben, dass diese phantastische Reise heute zu Ende geht. Und wie schnell die Zeit vergangen...