Haben wir gestern noch in der wohl schlechtesten Unterkunft unserer bisherigen USA-Reisen genächtigt, gehört die Blockhütte der heutigen Nacht zu den Besten. Es stimmte alles, völlige Ruhe außer dem Rauschen des Baches, bequeme Betten, es war kühl aber nicht kalt, und in der gemütlichen Holzhütte kann man sich nur Wohlfühlen. Oskar ist ein wenig enttäuscht, dass er weder beim Schlafengehen noch beim Wachwerden draußen einen Bären sehen konnte. Wir haben da eher gemischte Gefühle, so einem ausgewachsenen Grizzly möchte man eher nicht begegnen, allenfalls fotogen auf Distanz.
Da uns das Abendessen gestern so gut geschmeckt und auch das Ambiente absolut stimmig war, frühstücken wir heute auch dort. Und es passt wieder alles: Lecker fluffige Pancakes, ein Omelette zum Niederknien, ein Spiegelei für Oskar, und wieder diese lässige unaufgezwungene Freundlichkeit, die man wohl nur in Amerika erlebt. Warum gibt es diese lockere Art so wenig bei uns? Wir fühlen uns jedenfalls so richtig wohl.
Dann kommt der Koch John noch extra aus der Küche und hat sein Handy in der Hand. Weil Oskar ihn gestern nicht verstanden hat, hat er das, was er ihm gesagt hat, im Google-Übersetzer vorbereitet und spielt es nun extra für ihn auf Deutsch ab: "Ich freue mich, dass ihr bei uns zu Gast seid, und wünsche Euch einen phantastischen Tag."
Beim Abschied - und nach der Rückgabe des unbenutzten Bärensprays und dem Matt gegebenen Versprechen, beim nächsten Urlaub in Wyoming wieder herzukommen - sind wir nicht wenig gerührt. Manchmal fährt man von einer Unterkunft mit großem Widerwillen los, weil es einfach schön war und dazu noch dieses Gefühl des Glücks, dass dieser Aufenthalt etwas wirklich Unvergessliches war.
Wir verabschieden uns ebenso noch von John. Oskar klopft an die Küchentür und wir kommen nochmal kurz ins Gespräch mit ihm. Wir sitzen dann schon im Auto und wollen starten, da kommt John nochmals herangelaufen und reicht Oskar etwas durch Autofenster: "This is for you." Es ist ein T-Shirt der Lodge, mit großem Aufdruck "Absaroka Mountain Lodge". Was für eine Überraschung. Und welche Ehre. Wir haben wohl genau das, was wir für diesen Ort und die Menschen empfunden haben, nach außen gezeigt.
Heute steht ein Fahr-Tag an, aber ein ganz besonderer. Unsere nächste Unterkunft in Greybull ist nur 93 Meilen entfernt, wir werden jedoch 298 Meilen brauchen und dabei einen für uns schönsten Pässe der USA befahren.

Zunächst folgen wir dem Shoshone River durch sein malerisches Tal flussabwärts, passieren den ausgedehnten Buffalo Bill-Stausee und gelangen schließlich nach Cody, direkt vor den Bergen in der Prärie gelegen. Hier tanken wir sicherheitshalber - wer weiß, wann die nächste Tankstelle kommt - und verproviantieren uns bei WALMART. Bei der Durchfahrt durch Cody sehen wir eine typische Kleinstadt des Mittleren Westens, wie man sie sich vorstellt: Ein wenig Western-Architektur entlang der Main Street, einen großräumigen Waffenladen mit Discount-Angeboten und ein Rodeo-Stadion, hier in der Buffalo Bill-Stadt Cody, "The Rodeo Capital of the World", natürlich eine Arena mit großen Tribünen.

