Wir packen also morgens in Rekordzeit, nehmen noch zwei Tassen Kaffee zum Wachwerden und verlassen das Hotel um zwanzig nach sieben.
An der Einfahrt in den Nationalpark schauen wir uns als ersts den historischen Roosevelt Arch an, das Denkmal für die Eröffnung des ersten Nationalparks.
Dann fahren wir die Passstraße von gestern wieder hoch und beginnen unseren zweiten Tag im Yellowstone National Park.
Wir wenden uns heute westwärts und steuern das Larma Valley an, ein langgestrecktes Hochtal, in dem wir uns Anblick auf Wild versprechen.
Unterwegs halten wir noch einmal an, als wieder Leute am Straßenrand stehen und mit Ferngläsern etwas zu beobachten scheinen. Wir sehen jedoch keine der Deers, die dort zu sehen sein sollen. Im Auto scherzen wir dann, dass man sich hier einfach nur irgendwo mit einem Fernglas hinstellen muss, und schon halten die Leute an - unwissend ob und was es zu sehen gibt.
Oben im Lamar Valley angekomnen schaut die Gegend so aus, wie man sich den Park vorstellt: Ein weiterer Talgrund wird umrahmt von hohen Bergen, und auf den Wiesen stehen verstreut Bisonherden.
Immer weiter steuern wir in das Tal hinein. Es erinnert beinahe ein wenig an die Alpen, nur gänzlich ohne Bebauung, Seilbahnen und Rummel.
Auf den Wiesen leben wohl Tausende Bisons, die meisten in Herden oder Großgruppen, daneben gibt es auch immer wieder Einzeltiere, die abseits von den anderen stehen.
Auch Kojoten sehen wir und ganz kurz einen Wolf, dazu Hirsche, von der Art her kleiner als die von gestern in Gardiner.
Wir fahren das Tal ganz aus bis hinauf zum Parkausgang, drehen dort und fahren wieder hinunter. Was uns hier auch begeistert ist, dass in diesem Parkteil längst nichts so viel Verkehr und Hektik herrschen und dadurch viel mehr Ruhe als auf den Routen gestern rund um den Geysir "Old Faithful". Hier ist ebenfalls kein Vergleich mit dem Stress, der im Yosemite National Park herrscht und uns dort vor zwei Jahren so völlig deplatziert für einen Nationalpark vorkam.
Auf einer der weiten Bergwiesen des Tals wird ein Traum wahr: Wir sind auf einmal mitten in einem Bison-Wildwechsel, die Tiere laufen zwischen den Autos hindurch über die Straße. Ganz nah an uns vorbei. So hatten wir uns das nach vielen Videos, in denen wir Bison-Sichtungen in ähnlichen Situationen gesehen haben, auch gewünscht.
Restlos begeistert verlassen wir dieses grandiose Tal. Nun wenden wir uns nach Süden, wieder dem Yellowstone Lake und der südöstlichen Parkausfahrt zu.
Entlang des Grand Canyon of the Yellowstone und über den 2.700 m hohen Dunraven Pass über den zentralen Gebirgszug des Parks kommen wir zu den Yellowstone Falls. "Nur der untere Wasserfall lohnt den Besuch" hatte Susanne in einem Führer herausgefunden, und so steuern wir direkt den "Artist Point" am Lower Fall an, der mittels einer kurzen Stichstraße erreichbar ist. Trotz großem Andrangs ist für uns direkt ein Parkplatz frei, ein paar Meter sind noch zu gehen, und dann: Ein Wasserfall wie aus dem Bilderbuch. Die Fluten des Yellowstone zwängen sich zwischen massiven Felsen hindurch und stürzen dann tosend hinab in einen tiefen Canyon, dabei eine mächtige Gischtwolke erzeugend.
Man steht etwa 500 Meter von diesem Spektakel entfernt und staunt über die Wunder, die dieser Ort zu bieten hat.
Man steht etwa 500 Meter von diesem Spektakel entfernt und staunt über die Wunder, die dieser Ort zu bieten hat.
Oberhalb der Wasserfälle wird die Landschaft ruhiger, der Yellowstone fließt breit und träge durch die Wiesen eines sanften Hügellands.
Hier bricht jedoch auch noch einmal das Geschehen des Erdinneren an die Oberfläche. In der "Mud Vulcano Area" sind schwefelstinkende Schlamm-Basins zu sehen, aufgewühlt durch blubbernde Wasserblasen von klein bis groß, Schlamm spritzt nach oben, und es liegt ein Geruch in der Luft, der die Nase beinahe schmerzt. Am Ende des auf Bohlen geführten Loop Walks dann das Highlight: "Dragons Mouth", eine qualmende Höhle, aus der heißes Wasser in Wellen herausschwappt und aus deren Inneren ein dumpfes Dröhnen zu hören ist, Explosionen weit entfernt irgendwo unter uns - das ist schon gespenstisch.
Unbeeindruckt des Gestankes liegen derweil zwei Bisons am Rand eines dieser Schlammbecken. Ob sie den warmen Untergrund mögen? Jedenfalls müssen sie genau wissen, wo sie hintreten, denn auch hier stehen überall Warnschilder, dass der Boden abseits der Wege nicht solide sei.
Am Yellowstone Lake begann unsere zweitägige Nationalpark-Rundfahrt, hier endet sie auch. In Lake Village biegen wir ein in die US 20, die zunächst noch ein Stück am Seeufer entlangführt.
Dann steigt sie in weiten Bögen zum Sylvan Pass an, der über die Gebirgskette der Absaroka Range führt. Über den Bergen haben sich mächtige Quellwolken aufgebaut. Oben an der Passhöhe auf 2.600 m scheint jedoch noch die Sonne, ebenso an der Nationalpark-Grenze. Als wir dann ins Shoshone Valley hinabrollen, wird es jedoch bedrohlich dunkel, auch einen ordentlichen Schauer wird es später noch geben.
Unsere Unterkunft, die Absaroka Mountain Lodge, liegt etwa 20 Kiloneter von der Parkausfahrt entfernt in einem malerisch von hohen Felsen umrahmten Seitental. Eine schmale Schotterstraße führt hinein, und bald stehen wir vor dem in einem großen Blockhaus befindlichen Office. Über dem Eingang steht als Begrüßung: "Welcome to the West".
Wir öffnen die Tür und fühlen uns sofort wohl: Herzlich werden wir von Matt begrüßt. Er erklärt uns, wo unsere Hütte liegt und erläutert uns, was wir beachten müssen. Zum Schluss drückt er uns eine Bärenspray-Sprühdose in die Hand. "They are here", sagt er, "we saw them here in the camp a few days ago." Aber dann lächelt er und ergänzt: "I give the spray to every guest. And I got it back unused everytime.So take care, but don't be afraid."
Vor dem Haus treffen wir John, den coolen Koch, bei einer Zigarettenpause. Er trägt eine Red Sox-Kappe und ist sofort aus dem Häuschen, als er meine sieht: "Another Boston-Fan here in Wyoming, unbelievable". Noch herzlicher ist er mit Oskar, der jedoch kein Wort versteht und nur freundlich lächeln kann, sich jedoch tapfer schlägt mit "Thank you" und "How are you."
Unsere Hütte liegt fast am Ende des Weges, und wir schließen sie gleich ins Herz. Zwei Betten, ein Bad, ein Kühlschrank, alles im Stil einer Jagdhütte - das ist genau das, was wir uns gewünscht und bei der Buchung via Internet erhofft haben.
Praktischerweise hat die Lodge auch ein Restaurant, und wir beschließen spontan, uns nach den Unbillen der letzten Nacht und dem herrlichen heutigen Tag ein wenig verwöhnen zu lassen. Mit einem leckeren Abendessen und anschließend gemütlichem Ausklingen auf unserer Terrasse beschließen wir also diesen fantastischen Tag der Bisons.