Freitag, 20. Juni 2025

Dienstag 17. Juni 2025 Felt ID - Headwaters WY

In der Frühe geht der erste Blick nach draußen und hinüber zu den Bergen. Wolkenloser Himmel und klare Sicht - beste Voraussetzungen für unsere heutige Fahrt durch den Grand Teton National Park. 
Zunächst fahren wir durch eine Ebene zu Füßen der Berge. Wieder beherrscht die Landwirtschaft das Geschehen der durchfahrenen Orte, Tourismus gibt es hier nur in Form der zu den Nationalparks Grand Teton und Yellowstone durchreisenden Urlauber. Schön wären die Berge auch auf dieser Seite, aber da das Bessere des Guten Feind ist, hält hier niemand an.
Nach einer halben Stunde überqueren wir wieder eine Staatsgrenze und sind nun in Wyoming. 
Die Straße hat sich inzwischen dem Gebirge zugewandt und führt durch dichten Wald bergauf. Dies ist der Teton Pass, der wohl eine solche Steigung aufweist, dass die Straße gesäumt ist von Verbots-, Empfehlungs- und Warnschildern. Es gibt sogar eine eigene Weigh Station, in die jeder Lastwagen zum Wiegen einfahren muss. Wer mehr wiegt als 60.000 lbs, also etwa 27 Tonnen, muss nach Idaho umkehren.
Die Straße ist dnn auch richtig steil, jedoch breit ausgebaut, so dass wir ohne jede Mühe zur Passhöhe auf 2.570 m auffahren können. Wurde vorher schon vor Hirschen und Elchen gewarnt kommt hier oben noch eine vor Bären hinzu, und nicht nur die niedlichen Schwarzbären, die wir aus den Nationalparks in den Appalachen kennen, sondern echte Grizzlys. 
Beim Photographieren des Schildes werde ich von einem Pärchen auf mein Red Sox Cap angesprochen, ob ich auch aus Boston käme. Nein, aus Deutschland, bin aber Fan der Boston Red Sox. Sie zeigen stolz ihre Shirts  mit den Vereinsemblemen, erzählen, dass sie aus Boston kämen, und steigen dann in ein Auto aus Massachusetts - weit weg von zu Hause.
Am Fuß des Passes liegt Jackson. Diese Kleinstadt ist die übliche, einem Nationalpark vorgelagerte Touri-Hochburg, und hat sogar eien Flughafen, auf dem nacheinander Jets von American, United und Delta Airlines landen. Nun kommt der Nationalpark näher, die Spannung steigt. Vor dem Einfahrtsschild bleiben wir stehen und machen unser traditionelles Nationalparkschild-Foto.
Dabei haben wir Glück, denn  nur wenige Augenblicke später stehen so viele Menschen mit der gleichen Intention vor dem Schild, dass sich eine Schlange gebildet hat. Ein erster Vorgeschmack auf den Betrieb, der uns heute erwatet, und das an einem Wochentag.
Erste Anlaufpunkte für uns sind die klassischen Motive des Parks: Ein kurzer Trail bringt uns von einem Parkplatz zur Schwabacher Landing. Hier spiegelt sich die sonnenüberflutete Teton Range in einem Bachlauf, den viele Generationen von Bibern zu kleinen Teichen gestaut haben. Nun heißt es, Geduld zu haben und den Augenblick abzupassen, in dem kein Windhauch die Wasseroberfläche kräuselt und sie von keiner Ente beunruhigt wird. Oskar wurde vorher davon abgehalten, keine Steine ins Wasser zu werfen, um die Momente der Spiegelung genießen zu können. Als dann alles psst ist der Anblick kaum mit Worten zu beschreiben.
Danach fahren wir zum Historical District der Mormon Row. Dies ist eine ehemalige Mormonensiedlung, die früher eine lebhafte Gemeinschaft war, wie eine Infotafel Auskunft gibt. Geblieben aus dieser frühen Siedler-Periode sind einige historische Gebäude, zum Beispiel der Moulton Barn, ein in traditioneller Western- Bauweise errichteter Schuppen, der einen phänomenalen Vordergrund vor der Gebirgskulisse bildet.
Wir fahren weiter zum Visitor Center und versorgen uns mit ein paar Souvenirs und dem Stempel in unserem National Park Passport, dem Erinnerungsbuch unerer Besuche.
Über die Teton Park Road, die mitten durch den Park führt, kommen wir an vielen weiteren Lookouts vorbei, die immer wieder neue Ansichten der Teton Range bieten. Höhepunkt hier ist der Jenny Lake, ein See direkt vor dem Gebirge.
Letzter Punkt auf unserem Plan ist die Auffahrt zum Signal Mountain. Eigentlich ein kleiner Hügel inmitten der Gebirgslandschaft, aber gerade dadurch eine Aussichtswarte ersten Ranges. Nur von hier erkennt man die zwischen den Bergzügen flache Ebene des Snake River, weite Glasflächen mit eingesprenkelten Wäldern. Hier lohnt der Blick durchs Fernglas: Eine Gruppe Elche zieht unter uns durch die Wiesen, mit bloßem Auge kaum erkennbar.
Nun ist es später Nachmittag. Bei der Fahrt wieder hinunter und entlang des ausgedehnten Jackson Lake stellen wir fest, dass es uns für heute reicht. Zudem ist die Sonne inzwischen soweit herum, dass die Teton Range im vollen Gegenlicht liegt. Also steuern wir als letzte Station noch die Oxbow Bend an, eine weite Flussschleife des Snake River. 
An der Straße dann plötzlich ein Stau: Viele Autos am Straßenrand, viele Ferngläser und Objektive sind auf eine Wiese in einiger Entfernung gerichtet. Hier hatten wir vorhin aus anderer Richtung eine zweite Gruppe Elche gesehen. Nun steht hier nur noch eine Elchkuh mit ihrem Kalb, aber auch mit dem Fernglas nur als hellbraune Punkte erkennbar. Entweder bin ich blind und die anderen sehen etwas, was mir verborgen bleibt  oder hier stehen alle in hoffnungsvoller Erwartung einer "Vorstellung", die noch kommt.
Wir fahren nordwärts und verlassen bald den Nationalpark. In der schmalen Zone bis zum sich nördlich anschließenden Yellowstone National Park liegt das Areal des Roosevelt Memorial Parkway. Hier liegt Headwaters, ein Komplex aus Lodge, Campground und Cabins, von denen wir eine gemietet haben. 
Für die Bedürfnisse der Reisenden zwischen den Nationalparks sorgt ein Restaurant und eine Tankstelle mit Grocery Store, in dem wir das Abendbier kaufen können.
Was für ein Tag. Vollgepackt mit fantastischen Bildern und Eindrücken.

Samstag, 13. Juli 2025 Suisun City CA - San Francisco Airport CA

Der letzte Morgen in Amerika. Wir können kaum glauben, dass diese phantastische Reise heute zu Ende geht. Und wie schnell die Zeit vergangen...