Sonntag, 29. Juni 2025

Dienstag, 24. Juni 2025 Rapid City SD - Dickinson ND

Das Auschecken auf dem Campground verläuft für die KOA-Mitarbeiter überraschend: Susanne hat keinerlei Skrupel, unsere Unzufriedenheit über die Cabin anzusprechen, vor allem natürlich den störenden Geruch, der wohl aus dem Siphon unter der Spüle resultiert. Auf die Frage "Did you enjoy your stay with us?“ antwortet sie also offen: „As an American Women I would say, it was not too bad. In Germany we are a little more precise: It was awful. The cabin stinks and it would be better you‘ll check it before the next guests arrive." Mit so einer Ansage können Amerikaner weniger gut umgehen und die Mitarbeiterin ist richtig verblüfft. Aber warum soll man sich etwas vormachen, wenn man etwas echt schlecht fand? Uns nützt es nichts mehr aber vielleicht dem nächsten Gast in der Cabin. Zumal es die Unterkunft nicht zum Schnäppchenpreis gab.
Heute wollen wir uns den Präsidenten am Mount Rushmore widmen, nachdem wir ihnen vorgestern ja bereits eine Stippvisite gegeben hatten. Also fahren wir wieder hinauf in die Black Hills und ordnen uns diesmal auf der Besucherzufahrt ein. Hier ist alles bestens organisiert, ein großes Parkhaus bietet Platz für deutlich mehr Besucher als heute, und schnell stehen wir am Beginn der Fahnenallee. 
Und von hier aus macht das Ganze richtig was her: Wie man es aus den Bildern kennt erheben sich Washington, Jefferson, Roosevelt und Lincoln über der Anlage. Hier ist das Ensemble stimmig, von der Größe her genau austariert, um richtig zu wirken.
Warum wählte Gutzon Borglum, der Architekt und "Macher" der Felsskulpturen, gerade diese vier Präsidenten aus? Weil sie aus seiner Sicht die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Vereinigten Staaten repräsentieren. 
George Washington führte die Kolonisten im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg an, um die Unabhängigkeit von Großbritannien zu erlangen. Er war der Vater des neuen Landes und legte den Grundstein für die amerikanische Demokratie. 
Thomas Jefferson war der Hauptautor der Unabhängigkeitserklärung. Außerdem kaufte er auch das Louisiana-Territorium 1803 von Frankreich, wodurch sich die Größe des Landes verdoppelte.
Theodore Roosevelt übernahm die Präsidentschaft, als Amerika zur Jahrhundertwende ein schnelles Wirtschaftswachstum erlebte, etablierte die Nationalparks und National Monuments und war maßgeblich an den Verhandlungen über den Bau des Panamakanals beteiligt, der den Osten und den Westen auf dem Seeweg verbindet.
Abraham Lincoln hielt die Nation während ihrer größten Krise, dem Bürgerkrieg, zusammen. Er glaubte, dass seine Pflicht die Erhaltung der Union sei, und hatte die feste Überzeugung, dass die Sklaverei abgeschafft werden muss. 
Am Ende der Arbeiten waren dann 450.000 Tonnen Gestein abgetragen. Es wäre rechts oder links von Lincoln noch Platz für ein weiteres Konterfei. Prädestiniert für eine Verewigung wäre natürlich Franklin Delano Roosevelt, der Amerika aus der Weltwirtschaftskrise und durch den II. Weltkrieg führte. Es gab auch Planungen, Susan Anthonys Portrait zu berücksichtigen. Aber das Gestein hält weitere Arbeiten nicht aus. Das ist wahrscheinlich auch besser so, wer weiß, welche Früchte eine Diskussion darüber im politisch zerstrittenen Amerika der heutigen Zeit tragen würde. 
Auch wir Nicht-Amerikaner können uns der Erhabenheit des Ortes nicht entziehen, als wir zwischen den Flaggen der Bundesstaaten hindurch auf die steinernen Köpfe zugehen. Jeder Staat ist unter seiner Fahne auf einer Plakette genannt, mit seinem Beitrittsjahr zur Union. Auch die Überseegebiete der USA, die keinen Status als Bundesstaat haben, werden gleichberechtigt berücksichtigt, wie Amerikanisch-Samoa oder Puerto Rico. 
Neben dem Visitor Center informiert ein kleines Museum über die Entstehungsphase und die Bauarbeiten. Auch über die vier Präsidenten wird noch einmal informiert; wir finden, dass Borglum eine gute Wahl getroffen hat.
Dieses Mal finden wir eine Stempel-Station für unseren Nationalpark-Pass im Visitor Center, die Humor beweist. Es wird tatsächlich mit Foto daraufhin gewiesen, den Junior Ranger-Stempel bzw. den Nationalpark-Stempel nicht im offiziellen Reisepass zu verewigen. Sachen gibt es…
Hatten wir Mount Rushmore vorher eher als Pflicht-Stopp angesehen, sind wir beim Weiterfahren froh, hier gewesen zu sein. Wir hätten etwas verpasst. Den Cineasten in uns freut zudem ein Schild mit dem Hinweis, dass Szenen von NORTH BY NORTHWEST, dem Klassiker von Alfred Hitchcock, hier gedreht wurden. Die Kletterszenen von Cary Grant und Eva Marie Saint auf den Köpfen der Präsidenten entstanden mangels Drehgenehmigung allerdings im Studio.
Man könnte jetzt noch eine Rundfahrt durch die südlichen Black Hills unternehmen, aber nach anfänglichem Sonnenschein hat es sich nun deutlich zugezogen. Also fahren wir nach Rapid City zurück und schauen auf der Durchfahrt, ob diese für uns vor allem wie ein weit verstreutes Gewerbegebiet wirkende Stadt auch so etwas wie ein Zentrum besitzt. Wir finden tatsächlich eine Main Street mit Backsteinhäusern, Banken und Verwaltungsgebäuden. Aber richtig städtische Stimmung kommt auch hier nicht auf.
Wir wenden uns nun nordwärts. Zunächst noch auf der Interstate, dann über eine kleine Straße, die schnell in eine menschenleere Einsamkeit aus Weideflächen führt, in der Kurven ähnlich rar sind wie entgegenkommende Autos. Am Horizont hat sich ein Unwetter zusammengebraut, wir hoffen, dass es uns nicht erwischt.
Da sich langsam der Hunger meldet, schauen wir im Navi, was es auf den nächsten Kilometern so gibt. Die Antwort ist verblüffend: Einen Diner gibt es in 45 Meilen, die nächste Möglichkeit zur Verpflegung erst in North Dakota in unserem Zielort. Da fällt die Auswahl nicht schwer.
Der Diner liegt in Newell, dem einzigen richtigen Ort in weiter Umgebung. Wir fahren vor und sind auf den ersten Blick nicht unbedingt angezogen.
Aber mit der Aussicht auf einen Kaffee betreten das Lokal. Zwei Männer mit Cowboyhüten schauen kurz auf, wer da aus dem Auto aus Kalifornien aussteigt, und eine junge Kellnerin begrüßt uns freundlich. Der äußere Eindruck trügt, der Laden macht einen guten Eindruck. Die georderten Burger schmecken auch - gut, dass wir hier gehalten haben.
Weiter geht die schnurgerade Fahrt, leider genau in das Unwetter hinein.
Der Platzregen beginnt bald, wir fahren lieber langsam, wer weiß, wie hier das Wasser von der Straße abläuft.
Eine halbe Stunde später ist vom Regen nichts mehr zu bemerken, sogar die Sonne zeigt sich wieder.
Ohne Willkommensschild überqueren wir die Staatsgrenze nach North Dakota. Felder, vor allem Raps und Getreide, haben die Weideflächen abgelöst.
War die Landschaft bisher schon leer, wird es nun richtig einsam. 
Es ist kaum zu beschreiben, wie diese Leere inmitten von Feldern auf einen wirkt. Nur die Straße führt hindurch, oft sieht man bis zum Horizont keine Häuser. 
Aber es muss Menschen geben, denn vereinzelt sind Kirchen zu sehen, und gelegentlich tatsächlich auch Farmen.
Wie lebt man hier? Wie lernt man hier seinen Partner kennen? Wie laufen hier Geburten ab oder medizinische Notfälle? Was macht man in seiner wahrscheinlich nicht üppigen Freizeit? Und wie sieht es im Winter aus, bei arktischen Temperaturen und tagelang Schneestürmen?
Fragen über Fragen, während wir auf Dickinson zufahren. Die Stadt ist hier das lokale Zentrum, muss für den weiten Umkreis die Versorgung sicherstellen.
Unser Ziel ist das "Townplace Suites by Marriott". Nach den Erfahrungen aus früheren Urlauben erwarten wir von einem Ableger einer renommierten Hotelkette nichts Besonderes. Aber unsere Erwartungen werden noch unterboten: Das Zimmer im Erdgeschoss hat eine dröhnende und nicht abschaltbare Klimaanlage, und der direkt hinter der Wand angrenzende Aufzug sorgt für eine zusätzliche akustisch nervende Untermalung. Dieses Zimmer geht gar nicht, es ist eine Frechheit, so etwas überhaupt anzubieten. Trotzdem braucht es drei Anläufe an Gesprächen, bis die junge Dame an der Rezeption sich erbarmt und uns trotz angeblich völlig ausgebuchten Haus ein anderes Zimmer zuweist. Das ist zwar auch nicht unbedingt der Bringer, aber ruhiger und für eine Nacht reicht es.
Dafür ist der Hotelpool angenehm, vor alllem Oskar freut sich über entspanntes Plantschen und ein paar eigene Schwimmzüge.
Für ein wenig Verwirrung sorgt dann noch die Uhrzeit. Eigentlich gilt in North Dakota - anders als im parallel liegenden South Dakota - bereits die Central Time. Dementsprechend haben einige unserer Uhren automatisch eine Stunde vorgestellt. Jedoch gilt in den Countys südlich des Missouri - und damit auch in Dickinson - weiterhin die Mountain Time. Was das wohl soll?

Samstag, 13. Juli 2025 Suisun City CA - San Francisco Airport CA

Der letzte Morgen in Amerika. Wir können kaum glauben, dass diese phantastische Reise heute zu Ende geht. Und wie schnell die Zeit vergangen...