Im Hotel gibt es heute Frühstück. Wobei man sich hier nicht zu viel versprechen darf: Der Kaffee ist mäßig, die Auswahl überschaubar, abgepackt und aufgewärmt. Spannend ist lediglich das Maschinchen, mit dem man selbst Waffeln machen kann, die schmecken trotz Instant-Teig recht gut. Nach gesundem Essen wie Obst sucht man eher lang, Äpfel waren das Einzige was an Vitamine im Angebot war.
Wieder unterwegs suchen wir als erstes eine Tankstelle, denn wir haben heute viel vor. Der örtliche WALMART ist riesig, wie es sich für eine zentralen Ort gehört. Auf dem Parkplatz ebenso wie auf den Straßen ist die weit überwiegende Zahl der Autos älteren Semesters, neu aussehende Wagen sind eher selten. Wohlhabend sind hier wohl nur die wenigsten.
Dickinson in North Dakota ist der von San Francisco am weitesten entfernte und auch der nordöstlichste Punkt unserer Rundreise, ab jetzt geht es wieder westwärts. Daher fahren wir auf die Interstate I-94, die nördlichste der transkontinentalen Ost-West-Autobahnen, westbound auf.
Wir wollen heute den Theodore Roosevelt National Park besichtigen, ein aus europäischer Sicht eher unbekannterer da abseits der herkömmlichen Besucherströme liegender Nationalpark.
Ursprünglich aus New York kommend, hatte Theodore Roosevelt vor seiner Präsidentschaft nach einem familiären Schicksalsschlag hier in North Dakota eine Ranch gekauft, nachdem er vorher schon als Bisonjäger in der Gegend gewesen war.
In dieser faszinierenden Landschaft, in der die hoch gelegenen Great Plains von einem tiefen Canyon durchschnitten werden, versuchte sich einst der spätere Präsident mit der Rinderzucht. Obwohl die Ranch letztendlich scheiterte, empfand er diese Zeit in der Wildnis als prägend für sich und seine Politik . "I have always said I never would have been President if it not been for my experiences in North Dakota."
Seine Liebe zur Natur übertrug er in Gesetze, er setzte sich besonders während seiner Amtszeit (1901-09) vehement für die Gründung von Nationalparks ein, und seine größten Erfolge waren 1906 die Einsetzung der US-Forstverwaltung und die Unterzeichnung des „Antiquities Act", auf dem basierend bereits im selben Jahr 18 National Monuments ausgewiesen wurden. Ihm zu Ehren wurde 1948 dieser Nationalpark in seiner Wahlheimat gegründet. Er hesitzt nicht die spektakuläre Landschaft wie Yosemite, Yellowstone oder Bryce Canyon, sondern bewahrt Prärie und kleine Canyons beiderseits des Little Missouri River. Roosevelt selbst beschrieb das Land als „so fantastisch zerklüftet und farblich so bizarr, dass es nicht wirklich von dieser Welt zu sein scheint“.
Wir halten kurz am Painted Canyons Visitor Center direkt an der Interstate, von dem auch ein schöner Ausblick in eben jene weiten Schluchten mit von der Erosion gestreiften Wänden möglich ist.
Die eigentliche Parkeinfahrt befindet sich einige Interstate-Meilen westlich in Mendora. Hier beginnt auch die Straße durch den Park - Bestandteil jedes US-Nationalparks - die wegen Bauarbeiten momentan nicht als Loop, sondern nur als viele Meilen lange Sackgasse befahrbar ist. Gleich zu Beginn liegen mehrere Präriehund-Siedlungen. Die putzigen Tierchen stehen ähnlich unseren Murmeltieren auf ihren Bau-Ausgängen und halten Wache, um dann bei Gefahr blitzschnell unter der Erde zu verschwinden. Die hiesigen Exemplare sind zwar vorbeifahrende Autos gewohnt, reagieren aber trotzdem ausgesprochen skeptisch, wenn man vor ihnen anhält.

Einige Kilometer weiter der für uns schönste Punkt des Park-Besuchs: Von einem mit kurzem Spaziergang erreichbaren Overlooks hat man einen malerischen Blick auf eine Schleife des Little Missouri River. Eine Szenerie, die an einen Western erinnert. Man erwartet förmlich Kevin Costner und Robert Duvall wie in OPEN RANGE oder John Wayne wie in RED RIVER eine Viehherde zum Tränken treiben zu sehen.

Wieder ein Stück weiter halten wir am Boicourt Overlook. In der Ferne sind ein kleine Herde frei lebender Mustangs zu sehen, die langsam über die Ebene der Prärie ziehen. Und auch zwei Bisons erblicken Oskar und ich, als wir einen kurzen Trail von der Straße unternehmen. In einer Senke entdecken wir dann auch die durch Erosion entstandene Gesteinsformationen, die mit ein wenig Phantasie wie Pilze aussehen - einer der Klassiker dieses Parks.
Am Buck Hill, dem zweithöchsten Punkt des Parks, zu dem ich kurz hinaufsteige, und kurz vor der momentanen Sperrung des Loops beenden wir unsere Besichtigung und fahren zurück. Nun haben wir wieder Glück mit dem Anblick von Wild. Zuerst sehen wir eine Herde Mustangs aus nächster Nähe. Die berühmten amerikanischen Wildpferde auf 20 Meter Entfernung zu beobachten, ist schon etwas ganz Besonderes.
Danach kommen noch zweimal jeweils ein einzelner Bison in Anblick, einmal wieder aus nächster Nähe - atemberaubend und mit viel Respekt vor diesen großen Tieren lassen wir das Bison vorüber ziehen. 



Rundum zufrieden fahren wir aus dem Park heraus. Am Visitor Center in Medora halten wir noch einmal an. Hier kann Oskar das Junior Ranger-Heftchen vorzeigen, dass wir beim ersten Halt mitgenommen und so gut es geht durchgearbeittet haben. Hier waren die Fragen zum Teil schwer. Aber es war wohl hinreichend gut und richtig beantwortet, denn Oskar bekommt wieder eine Junior Ranger Plakette überreicht. Diesmal muss er sogar vor einem echten Park Ranger einen Junior Ranger-Eid ablegen. Er spricht auf Englisch nach, mit feierlicher Haltung, und wird danach vom Ranger beglückwünscht. Dass er dabei stolz seine am Mount Rushmore gekaufte Junior Ranger-Weste samt Hut trägt, macht die Zeremonie noch stimmiger.
Danach beginnt der eher unspektakuläre Teil des Tages. Der Roosevelt-Nationalpark und die nächste echte Sehenswürdigkeit, der Glacier National Park, liegen zwei Tagesetappen auseinander - Amerika ist riesig. Also steht uns nun eine lange Interstate-Fahrt bevor, etwa 650 Kilometer sind es bis nach Livingston in Montana, und es ist schon 14 Uhr durch.
Zum Glück ist auf der I-94 kaum Betrieb, und ab der bald erreichten Staatsgrenze North Dakota / Montana sind dann 80 Meilen erlaubt, also Tempo 130. Da fällt so eine lange Fahrt etwas leichter, vor allem unser geräumiger FORD garantiert entspanntes Fahren.
Viel gibt es über die Stunden on the road nicht zu berichten: Unterwegs fahren wir durch ein heftiges Gewitter, dessen Wolken sich zunächst spektakulär vor uns auftürmen. Starkregen und Hagel, da fahren sogar die sonst notorisch schnell fahrenden LKWs langsam.



Bei Glendive überqueren wir den Yellowstone River, der hier so breit ist wie der Rhein in Düsseldorf, und doch nur der Nebenfluss eines Nebenflusses des Mississippi ist. Bis Billings folgt die Interstate dem Fluss, mal in seinem breiten Tal, mal oberhalb. Ständiger Begleiter der Interstate ist die Ost-West-Bahnstrecke nach Seattle, und wir sehen auch einige Züge, Loks vorne und hinten, dazwischen gefühlt hundert Waggons. Leider fehlt uns die Zeit, für ein Foto anzuhalten.
In Forsyth, einem kleinen Ort am Yellowstone, tanken wir, fahren aber direkt wieder los. 
Weiter geht es durch Billings hindurch, dass mit seine Raffinerien und Fabriken so gar nicht aussieht, wie man sich Montana vorstellt.
Livingston dagegen hat mehr Charme. Hier folgen wir den Schildern in Richtung Gardiner und Yellowstone National Park. Am Ende der Etappe werden wir uns dem Zwischenstopp von vor eine Woche wieder auf etwa 40 Meilen angenähert haben.