Dienstag, 1. Juli 2025

Donnerstag, 26. Juni 2025 Livingston MT - Glacier National Park MT

Heute folgt die zweite Teil-Etapoe unserer Fahrt zum Glacier National Park. Wir gehen den Tag ruhig an, schlafen bis kurz vor acht und frühstücken gemütlich draußen vor der Hütte. Von den umliegenden Pappeln schwebt flockenartiger Samen herab, das wirkt zeitweise wie Schneefall in einem romantischen Film.
Am Office holen wir uns noch einen Kaffee, dann beginnt der zweite Fahrttag. Nach der staubigen und holprigen Gravel Road, die zum Campground führt, fahren wir wieder nach Norden Richtung Livingston, halten jedoch gleich bei einer Kurve des Yellowstone, weil das ein zu schönes Motiv ist, um ohne Halt weiter zu fahren.
Überhaupt wirkt das herrliche Paradise Valley den Alpen nicht unähnlich; so in etwa sähe es in "unserem" Gebirge aus, wenn es nicht so umfassend zersiedelt und touristisch erschlossen wäre.
In Livingston drehen wir eine Runde über die Main Street, die einige hübsche Gebäude aufzuweisen hat und ein echtes Stadtzentrum bildet.
Die Hoffnung, in der alten Eisenbahnerstadt auch noch den einen oder anderen Zug ablichten zu können, stirbt jedoch rasch: Auf der eingleisigen Strecke ist ein Bautrupp aktiv, also eine dieser gelegentlichen stundenlangen Streckensperrungen, die man nicht einplanen kann. Es ist schon ein wenig frustrierend: Gestern kam Zug um Zug, und es fehlte die Zeit, um sie anzuschauen; heute hätten wir ein wenig Zeit, und es kann kein Zug kommen. Ähnlich erging es uns vor Jahren in New Mexico; dort hatten wir sogar bewusst Zeit eingeplant für Eisenbahnfotos, aber auch da war die Strecke wegen Wartungsarbeiten gesperrt. Man steckt einfach nicht drin.
Wir verlassen Livingston über die US-89 Richtung Great Falls. Crazy Mountain Basin heißt diese sanft ansteigende, leicht hügelige Ebene zu Füßen hoher Berge, der Crazy Mountains. Wieder sind wir umgeben von Weideland mit dunkelbraunen Kühen.
In einem der an der Straße liegenden Dörfer sehen wir Cowboy-Pferde in der Ausbildung. Welch eine Kunstfertigkeit, dass ein Pferd auf der Stelle Drehungen um die eigene Achse machen kann; Bilder wie in der Serie YELLOWSTONE, die ja auch in Montana spielt.
Später eine Baustelle. Hier wird alles geboten, vom Sign Man über Pilot Car bis zu schweren Baumaschinen in Aktion, geführt zum Teil auch von Frauen, im Baugewerbe bei uns sind Frauen ja ein eher seltenerer Anblick.
Dann steht eine Gruppe männlicher Hirsche an der Straße. Wir halten direkt vor ihnen an, sie beäugen uns neugierig, springen aber trotz offensichtlicher Skepsis nicht ab, sondern halten uns aus.
Weiter geht es durch die trockenen Weiden bis nach Sulphur Springs, dem einzigen Ort auf den drei Stunden zwischen Livingston und Great Falls.
Danach nimmt uns dichter Wald auf, die Castle Mountains. Kilometerlang bergauf bis zum Kings Hill Pass, 7.393 ft beziehungsweise 2.253 m hoch. Hier oben befindet sich das Skigebiet Showdown Mountain, drei Bahnen erschließen ein Gewirr von in den steilen Waldhang geschlagene Pisten.
Bergab kommen wir bald durch Neihart, hier hat ein Skifan seinen Gartenzaun gekonnt gestaltet.
An einer Ranger Station kurz darauf sehen wir im Vorbeifahren einen Polizisten in seinen mit "Sheriff" bedruckten Wagen steigen. Er fährt nun viele Kilometer hinter uns her, ein sehr komisches Gefühl, zumal es durch eine längere Baustelle geht, bei der die Geschwindigkeitsvorgaben nicht ganz eindeutig sind. Im Scherz sehen wir ihn per Funk unser California-Kennzeichen checken. Vielleicht wartet er aber auch nur darauf, dass wir zu schnell fahren und er uns Touris von der Westküste ein Knöllchen ausstellen kann. Wir sind jedenfalls froh als er dann endlich stoppt und wir ohne ihn im Schlepptau weiterfahren können.
Das Tal öffnet sich irgendwann und entlässt uns in die Prärie, im Nu sind die Berge hinter uns, vor uns sanft gewelltes Land bis zum Horizont - die Great Plaines.
Durch Zufall bekommen wir einen guten Radiosender rein. Die Spracheingabe des Navis während des Fahrens erweist sich oft als Zufallstreffer, bei der uns ein Versuch, dem Navi mitzuteilen wohin es uns bringen soll, zunächst nach Martinique leiten wollte. Oskar versucht es mit Sprachansagen von der Rückbank, und wer weiß, was die Technik verstanden hat: das Auto startet mit einem Radiosender namens BLEND und damit sehr gute 70er/80er-Musik ohne Unterbrechungen. 
Wütend wir nach Great Falls einfahren, läuft THE WINNER TAKES IT ALL, und beim Tanken versetzt uns YOU'RE THE ONE THAT I WANT so sehr in gute Laune, dass ich beim Scheibenreinigen mit dem Wischer in der Hand als Mikro eine Gesangseinlage liefere. Das Publikum im FORD singt begeistert mit, der Applaus bleibt nicht aus. 
Great Falls hat für uns ähnliche Attraktivitätswerte wie Rapid City, also keine. Zumindest erkennen wir sie nicht.
Am Stadtrand überqueren wir den träge dahinfließenden Missouri.
Danach hat uns die Prärie wieder. Etwas flacher als zuvor. Wir fahren durch verschlafene Orte wie Fairfield oder Choteau mit ihren großen Getreidesilos.
Am Freezeout Lake zeigen sich dann hohe Berge am Horizont. Die Rocky Mountains präsentieren sich vor uns, ohne Vorgebirge aus der Ebene emporwachsend. 
Wir fahren nun an dieser Barrikade entlang. Leere Landschaft hier, hohe Berge dort, über 200 Meilen.
Erst in Browning nähern wir uns den Bergen an. Der Ort ist das Zentrum des Blackfeet Indianerreservates, von dem neben indigenen Menschen an der Tankstelle und vielen Trailersiedlungen entlang der Straße vor allem ein Casino zeugt.
Die Straße wird nun aufregend. Mehrere Lookouts ermöglichen spektakuläre Blicke in die Täler des Gebirges und dann auch auf den Saint Mary Lake der sich wie ein Fjord in die Berge hinein erstreckt.
Wir übernachten auf dem KOA Campground in St. Mary, ein riesiger Campingplatz mit bester Aussicht. Für uns ist eine große moderne Cabin reserviert, die uns auf Anhieb sehr gut gefällt.
Das Wetter erlaubt ein Abendessen mit Rocky Mountains-Blick auf der Terrasse.
Danach drehe ich noch mit Oskar die übliche Runde zum Wohnmobil-Beschauen über den Platz.
Zur Nacht zeigen sich die Berge dann noch einmal von ihrer besten Seite.

Samstag, 13. Juli 2025 Suisun City CA - San Francisco Airport CA

Der letzte Morgen in Amerika. Wir können kaum glauben, dass diese phantastische Reise heute zu Ende geht. Und wie schnell die Zeit vergangen...