Wir fahren zunächst durch welliges Hügelland mit einzeln stehenden Gehöften, wenigen Orten und mehreren in die Landschaft eingesprenkelten Weinbergen.
Erster Stopp ist der WALMART in Roseburg, der lokalen Metropole, mit fast 24.000 Einwohnern etwa so groß wie Weilheim, aber flächenmäßig gefühlt fünfmal ausgedehnter.
Frisch verpflegt geht es weiter ostwärts, dem Crater Lake National Park entgegen. Die "Rogue-Umpqua Scenic Byway" genannte Oregon-Route 138 führt zunächst noch durch Weideland, wechselt dann aber in ein Waldgebiet und folgt über etliche Kilometer dem immer enger werdenden Tal des North Umpqua River.
Es geht so kontinuierlich bergauf, bis wir nach einer guten Stunde am Diamond Lake Village aus dem Wald kommen. Das heißt, Wald war hier vorher auch, er fiel aber vor einigen Jahren einem Waldbrand zum Opfer, so dass sich nun eine offener Landschaft präsentiert.
Hier oben kurz vor der Einfahrt in den Crater Lake National Park ist eine einfache Tankstelle, bei der wir sicherheitshalber noch einige Gallonen Benzin nachkaufen, zu einem der isolierten Lage überraschenderweise noch angemessenen Preis.
Der Diamond Lake selbst mit dem dahinter aufragenden Vulkan Mount Bailey zeigt sich ein paar Minuten später an einem hübschen Lookout.
Hier ist echtes Vulkan-Land. Nicht nur Mount Bailey, sondern auch der am Lookout in unserem Rücken aufragende Mount Thielsen und bald darauf der schneebedeckt im Norden auftauchende, ebenfalls zweifelsfrei als Vulkan erkennbare Diamond Peak prägen das Bild.
Bis zur Einfahrt in den Nationalpark ist es nun nicht mehr weit. Bald sehen wir den ersten Schnee unter den Bäumen liegen. Bis vor ein paar Tagen war diese Route zum Crater Lake wegen der Schneelage noch geschlossen, kaum zu glauben, wo es heute fast 20 Grad hat.
Kurz darauf treffen wir auf den Pacific Crest Trail, der hier die Straße kreuzt. Es ist immer wieder ein Erlebnis, auf diese US- Weitwanderwege zu treffen, wie letzte Woche im North Cascade National Park auf den PCT oder vor ein paar Jahren im Great Smoky Mountains National Park auf den Appalachian Trail.
Dann geht es kurz steil bergauf und wir erreichen einen Parkplatz. Ein paar Schritte noch, dann öffnet sich der Blick auf den Crater Lake - unfassbar blau, ringsum von steilen Ufern umgeben. Ein phantastischer Anblick.
Seit Jahren habe ich mich schon darauf gefreut, irgendwann hier an diesem See zu stehen. Nun ist der Traum wahr geworden. Nach dem Devils Tower ist der Crater Lake der zweite Herzenswunsch, der in unserem Urlaub in Erfüllung geht.
Die ersten Weißen, die diesen See gesehen haben, waren Goldsucher, die in den 1853 Jahren an seinen Rand kamen. Sie erreichten wegen der Steilheit des Ufers jedoch nicht das Wasser und zogen weiter. "Deep Blue Lake" nannten sie dieses Naturwunder.
Entstanden ist der See aus dem Ausbruch eines Vulkans vor etlichen tausend Jahren. Der riesige Berg stürzte später in sich zusammen und hinterlies diesen riesigen Krater, der sich mit Regen- und Schmelzwasser füllte. Der Berg kam jedoch nicht zur Ruhe, später gab es mindestens einen weiteren Ausbruch innerhalb des Kraters - ein Vukan im Vulkan -, dessen Kaldera als Insel aus dem See aufragt, mitsamt einem kleinen Krater an seiner Spitze.
Die tiefe blaue Farbe resultiert aus der absoluten Klarheit und Sauberkeit des Wassers, das alle Farben des Sonnenlichtes absorbiert außer Blau.
Im fernen Washington hatte man schon bald Kenntnis vom Crater Lake. 1893 wurde der See als Teil des Cascade Range Forest Reserve unter Schutz gestellt, 1902 wurde er zum damals fünften Nationalpark erklärt.
Der Kratersee wird von einer Loop-Straße, dem Rim Drive, umrundet. Wir biegen in diese Straße ein, wohl wissend, dass eine vollständige Umrundung wegen Bauarbeiten nicht möglich sein wird. Das ist uns jedoch egal, denn wir sind froh, dass wir hier überhaupt unterwegs sein können: Erst gestern hatte die Internet-Seite des Parks noch verkündet, dass wegen der Schnee-Lage vieles noch gesperrt ist. Es hatte tatsächlich noch vor zwei Wochen geschneit, wie wir während unserer ersten Urlaubswoche verfolgt haben, fünfzehn Zentimeter Neuschnee waren noch gefallen.
Die Straßen sind nun frei, jedoch sind rechts und links zum Teil noch hohe Schneewände erkennbar, durch die die Schneeräumer sich durchgefräst haben. Auch wirkt alles noch für einen Nationalpark bemerkenswert provisorisch. Entlang der Straße fehlen für die aktuell gestartete Saison noch jegliche Hinweisbeschilderung, ganz so als müssten die Schilder erst noch montiert werden. Auch gab es an der Einfahrt nicht die üblichen Übersichtskarten für den Park. Die Auflage für 2025 sei noch nicht verfügbar, erfahren wir später.
Auch ohne Schilder ist die Straße herrlich, es reiht sich Lookout an Lookout, jeder irgendwie mit ähnlichem und doch jedesmal anderem Blick auf den See, einer schöner als der andere. Wieder einmal haben wir bestes Wetter, was das Wasser noch intensiver blau schimmern lässt.
An einer dieser Parkbuchten haben die Schneeräumer einen großen Schneehaufen aufgetürmt. Für Oskar ein willkommener Spielplatz; Winter im Hochsommer, was für ein Spaß. Kurz darauf ist die Weiterfahrt auf der östlichen Ringstraße gesperrt. Eine Arbeiterin steht an den "Closed"-Schildern und winkt zusätzlich zur Absperrung, dass wir doch bitte umdrehen. Wir sprechen sie an, ob die Sperrung wegen Bauarbeiten oder noch wegen des Schnees erfolgt. Sie antwortet, dass die Straße in einem furchtbaren Zustand sei, vor allem gäbe es tiefe Löcher in der Fahrbahn. Aber irgendwann sei alles neu, und wir hätten dann überall so guten Asphalt wie auf dem Straßenstück, auf dem wir gerade gefahren sind.
Nach vielen Lookouts nähern wir uns dem Rim Village, einer kleinen Häuseransammlung mit einem großen Gift Shop, dem heute bereits geschlossenen Visitor Center und der Crater Lake Lodge.
Hier haben wir unsere Übernachtung reserviert, jedoch nicht im Haupthaus selbst, sondern für eine Cabin, bei der wir nicht genau wissen, wo diese zu finden ist. Die junge Frau an der Rezeption bestätigt unsere Buchung und erklärt uns den Weg dahin; wir müssen nun sieben Meilen weiter herunterfahren bis zum Campground des Nationalparks, der deutlich tiefer als der Krater liegt.
Hier haben wir unsere Übernachtung reserviert, jedoch nicht im Haupthaus selbst, sondern für eine Cabin, bei der wir nicht genau wissen, wo diese zu finden ist. Die junge Frau an der Rezeption bestätigt unsere Buchung und erklärt uns den Weg dahin; wir müssen nun sieben Meilen weiter herunterfahren bis zum Campground des Nationalparks, der deutlich tiefer als der Krater liegt.
Die Straße windet sich den Berg herunter, bis zu ein paar Gebäuden im Wald direkt an der Einlasskontrolle der Westeinfahrt in den Nationalpark.
Hier gibt es einen kleinen General Store, eine Tankstelle mit einer Zapfsäule und die Rezeption des Campingplatzes. Diese ist nicht besetzt, man sein "zum Lunch", erklärt das Mädel an der Kasse des Stores, "in 15 to 30 minutes". Nun ja, man hat ja viel Verständnis und Geduld, aber man kann sich schon fragen, ob man das nicht besser organisieren kann als die Essenspause in die Rush Hour der Gästeankünfte zwischen 16 und 19 Uhr zu legen. Susanne stellt sich nun also vor die Rezeption und wartet, zusammen mit einem Ehepaar aus Israel, das zum Abschluss ihres Sabbaticals in Sacramento nun mit ihren Kindern eine Auto-Zelt-Reise durch die Nationalparks machen. Die Wartezeit verkürzt Susanne mit einem Gespräch mit den beiden über Nationalparks, Roadtrips mit Kindern und Erfahrungen mit Campingplätzen.
Währenddessen drehe ich mit Oskar eine Runde über den riesigen Campground, auf dem jedoch überwiegend Zelte stehen und nur wenige der für ihn interessanten "Riesen-Trailer" und Wohnmobile.
Als wir wieder zurückkommen, hat Susanne einchecken können, ist aber völlig aufgebracht. "Als endlich die zuständige Mitarbeiterin zurück kam, hat sie einfach nur eine Mappe mit meinem Namen drauf rausgezogen und mir die Zimmerkarten gegeben. Das hätte jeder machen können und auch jeder der Angestellten, der hier zwischendurch reingekommen ist und gefragt hat ob ich wegen einer Site oder einer Cabin hier bin. Dafür hätte ich nicht eine halbe Stunde warten müssen." Aber es kommt noch besser: der israelischen Familie, die der Internet-Angabe "First come first serve" vertraut hat - also wer zuerst kommt mahlt zuerst - wird bescheinigt, dass die Angabe nicht mehr stimme; man habe das ganz neu geändert auf Online- Reservierung, und man sei leider voll. Keinerlei Hinweis, keinerlei Entschuldigung über die falsche Angabe, keine Tipps zu Alternativen Campgrounds in der Nähe, nur Achselzucken, "Sie wurden mit ihren Kindern einfach weggeschickt. Unglaublich!"
Unsere Cabin ist nicht separat, sondern als ein Motel-artiges Zimmer in einem Haus mit vier dieser Zimmer, aber alles so ausgerichtet, das man sich nicht auf der Pelle hängt. Ein im Großen und Ganzen nicht überragendes, aber ordentliches Zimmer. Jedoch ohne Kühlschrank, bei dem abgerufenen Preis eigentlich ein Unding. Also müssen wir noch einmal los, um Eis zu holen, mit der wir unsere Kühlbox bestücken und über Nacht kühl halten können. Wie jede Tankstelle und jedes Geschäft in Amerika hat auch der Grocery Store die Klarsicht-Säcke mit Eis vorrätig, aber zum Spezialtarif, der die Alternativlosigkeit des Angebots gnadenlos berücksichtigt. Wir beißen beim Bezahlen die Zähne zusammen, die Neuanschaffung unserer Vorräte wäre noch teurer. Hoffen wir, dass dieses „Premiumeis“ unsere Kühlbox bis morgen früh frisch hält.