Samstag, 12. Juli 2025

Montag, 08. Juli 2025 Depoe Bay OR - Tenmile OR

Um kurz vor Mitternacht beginnt der Rauchmelder im Zimmer zu piepsen, das typische "Batterientausch"-Geräusch. Wir überlegen kurz, selbst Hand an das Gerät zu legen, dann ruft Susanne die Notfall-Nummer des Gasthauses an. Das ist nicht ganz einfach, denn in US-Hotels bekommt man nicht mit "0" eine Amtsleitung, sondern mit "9". Es geht jemand dran, dem Susanne unser Problem zu schildern versucht - was heißt nochmal Rauchmelder auf englisch? -, und hat nach dem Gespräch nicht wirklich den Eindruck, dass unser Problem verstanden wurde. Zumal ihr Gesprächspartner offensichtlich schon geschlafen hat.
Es vergehen dann aber keine zehn Minuten und es klopft. Ein hilfsbereiter Mann hat eine Ersatzbatterie dabei, leider braucht der Rauchmelder drei. Er montiert also das ganze Teil mit einem Dreh ab, fragt, ob uns das Recht sei, und ist schon wieder verschwunden. Problem gelöst, und das Risiko ohne Rauchmelder erscheint uns mehr als überschaubar.
Am Morgen hat sich das Wetter nicht gewandelt, die Ferngläser stehen weiterhin unbenutzt am Fenster.
Das Frühstück ist zwar übersichtlich, aber lecker. Es gibt ausgezeichneten Kaffee und unter anderem Muffins verschiedener Geschmacksrichtungen, die wohl von einer Bäckerei oder jemandem, der wirklich Ahnung von seinem Metier hat, gebacken. Vorzüglich.
 Wir können im winzigen Frühstücksraum direkt am Fenster Platz nehmen; der Nebel scheint sich ganz allmählich zu lichten und es ist tatsächlich etwas Meer zu sehen.
Gestern hatten uns unsere Motorradfahrer-Nachbarn erzählt, dass sie noch Wale gesehen haben, obwohl die Saison schon durch ist. Für Wal-Beobachtung reicht die Sicht heute morgen jedoch noch nicht.
Beim Aufbruch aus dieser wirklich schönen Unterkunft hat sich der Nebel noch nicht ganz verzogen. So erleben wir Depoe Bay, Schauplatz einiger Szenen aus EINER FLOG ÜBERS KUCKUCKSNEST, noch leicht verhangen.
Aber schon ein paar Kilometer weiter bricht die Sonne durch, und wir erleben wieder einige Abschnitte Oregon-Coast vom Feinsten.
So am Cape Foulweather, benannt von niemand geringerem als James Cook, der 1778 über das Oregon-Wetter mehr als verärgert war, da es einen Landgang unmöglich machte. Trotzdem hatten Cooks Berichte aus Oregon einen weitreichenden Effekt, denn sie weckten das Interesse von Thomas Jefferson, das zum Louisiana Purchase führte, dem Kauf großer Teile Nordamerikas von Napoleon, der dringend Geld für seine Kriegskasse brauchte. 
Wir schauen von diesem berühmten Felsen auf einen sonnenüberfluteten Strand und eine nur wenige hundert Meter vor der Küste liegenden Nebelbank.
Der Leuchtturm von Yaquina Head, eine "Outstanding Natural Area", hat eine Show ganz anderer Art zu bieten: Während es an den Lookouts vorher kaum Wind hatte, pfeift hier der Wind in Orkanstärke. Man bekommt kaum die Autotür auf, so sehr drückt der Sturm. Da es durch die arktischen Temperaturen des Pazifiks sowieso nur in der Sonne höchstens 20 Grad hat, wird es durch den Wind ziemlich kühl. Überhaupt fragen wir uns, wie es hier an Oregons Küste im Rest des Jahres ausschaut, wenn schon im Hochsommer kaum 18 - 20 Grad erreicht werden.
Das Lighthouse selbst liegt halb im Nebel, halb in der Sonne und gefällt uns sehr gut. Infotafeln erläutern die Geschichte des Bauwerkes, und wie die fortschreitende Technik peu à peu immer weniger Bedienstete für den Betrieb des Leuchtfeuers brauchte, bis schließlich statt ganzen Familien irgendwann niemand mehr am Turm wohnen musste.
Der zweite Leuchtturm des Tages, das hölzerne Yaquina Bay Light an der Hafeneinfahrt von Newport ist leider nicht zu sehen: Es ist wegen Renovierungsarbeiten mit einer Christo-mäßigen Verpackung umhüllt. Dafür bietet Newport eine sehenswerte Brücke über den Yaquina River; auch hier waren die durchfahrenden Schiffe das Maß für die Höhe der Fahrbahn über dem Wasser.
Dann werden auch wir verhüllt: Der Nebel hat uns wieder. Er macht einen Besuch der Seal Rocks, einem State Park mit interessanten Felsformationen am Strand, ebenso langweilig wie auch kommende Lookouts auf die Küste. 
Es braucht viele südwärts gefahrene Kilometer, bis sich daran etwas ändert; zumindest an der Küste, denn kaum einen Kilometer wieder landeinwärts ist der Himmel strahlend blau.
An Cape Perpetua scheint dann leidlich die Sonne, und wir können bestaunen, wie die Brecher auf die Uferfelsen knallen - buchstäblich. "Devils Hornpipe" bleibt jedoch stumm; hier laufen die Wellen in einen schmalen Felsenkorridor und bilden am Ende einen Meerwasser-Geysier. Zumindest wenn die Flut Höchststand hat, zur Zeit ist leider Ebbe.
Weiter südlich rollen wir durch das Gebiet der Oregon Sanddunes. Jedoch sind diese von der 101 kaum sichtbar, und zwei Versuche, ihnen näher zu kommen, sind nicht wirklich von Erfolg gekrönt.
Einen dritten Versuch starten wir kurz vor der Hochbrücke über die Coos Bay. Nun können wir nicht nur ein paar Dünen, sondern von Ferne auch einige Quad- und Motorrad-Fahrer beobachten, wie sie auf den Sand-Gebirgen herumflitzen und springen.
Eine Diesellok der hiesigen Industrie- oder Hafenbahn kann ich auch noch ablichten - perfekter Stopp.
Nun folgen wir der 101 über besagte Brücke, rollen durch die Holzhäfen von North Bend und Coos Bay und biegen dann ins Landesinnere ab. Übermorgen werden wir sie wiedersehen, wenn wir - dann bereits in Kalifornien - noch einmal auf diesen Pacific Highway zurückkehren.
In Coquille am gleichnamigen Fluss kaufe ich bei SAFEWAYS noch Hackfleisch-Patties für das Abendessen ein. Am Ortsrand ein Schmunzeln: Ein Spaßvogel hat die rostige Ruine eines ehemaligen Verladeturms in großen Lettern mit "TRUMP TOWER" verziert.
Nun wird es zäh. Der State Highway 42 folgt dem Coquille River durch eine endlos erscheinende bewaldete Hügellandschaft. Hier sieht es zwar irgendwie wieder aus wie im Allgäu, nur ohne Menschen und Kühe -, es fehlt aber der landschaftliche Reiz, um hier mehr als Langeweile zu empfinden. Einzig sehenswert auf dieser Strecke ist eine Covered Bridge direkt neben der Straße, seit unserem Besuch in Neuengland haben wir diese überdachten alten Holzbrücken lieb gewonnen.
Nach langer Kurverei durch den Wald, stets bergauf, ändert sich plötzlich die Landschaft. EIne weite Hochfläche von Camas Valley, dann ein kurzes Stück bergab, und wir haben die weit verstreut stehenden Häuser von Tenmile erreicht.
Statt der während der letzten Tage gewohnten Temperaturen zwischen 14 und 19 Grad zeigt das Thermometer nun auf einmal 32 an, und das am Abend. 
Diese Bedingungen sind wohl auch ideal für den Weinanbau, denn es finden sich nun Weinberge und -felder. In einer dieser Vinerys werden wir heute übernachten, das heißt nicht auf dem Hof selbst, sondern auf einem ganz allein unterhalb eines Weinberges stehenden Gästehauses.
Im Kühlschrank dieser wieder einmal liebevoll eingerichteten Unterkunft findet sich eine kühle Flasche Rosé aus eigener Kelterung. Da lassen wir uns nicht zweimal bitten und setzen uns bald auf die Terrasse. Völlige Stille ringsum, nur unser Gläserklirren ist zu hören. Herrlich.
Zwischendurch werden noch schnell die Patties gebraten und dazu Spaghetti gekocht, dann sitzen wir wieder draußen. Es ist bis in die Dunkelheit herrlich warm, keine Mücken ärgern uns, in der Ferne Wetterleuchten, dazu der Wein - Feierabend Oregon Style.

Samstag, 13. Juli 2025 Suisun City CA - San Francisco Airport CA

Der letzte Morgen in Amerika. Wir können kaum glauben, dass diese phantastische Reise heute zu Ende geht. Und wie schnell die Zeit vergangen...