Dienstag, 8. Juli 2025

Donnerstag, 03. Juli 2025 Auburn WA - Sequim WA

Wieder einmal war es herrlich ruhig, lediglich kurz vor Mitternacht waren zwei Schüsse zu hören. Wer da wohl gejagt hat? Wie Böller für das 4th of July-Feuerwerk, die es wirklich überall an provisorischen Ständen und Buden zu kaufen gibt, hörte sich das jedenfall nicht an.
Wie an so manchen Morgen auch wollen wir früh los. Trotzdem ist es wie immer 10 Uhr, als fertig gefrühstückt und alles eingeräumt ist. Zusätzlicher Posten heute war die frisch gewaschene Wäsche, die trotz aller Tricks über Nacht nicht gänzlich trocken gewoden ist. Nun trocknet sie ausgebreitet über den Koffern und Taschen im Auto.
Vom Mount Rainier ist am Morgen nichts zu sehen. Beim Tanken in Enumclaw zu Füßen des Berges kann man durch nichts erkennen, dass dort in den Wolken ein riesiger Berg verborgen ist. Ringsum ist, wie der Wetterbericht prophezeit hat, bestes Wetter, nur eben am Berg nicht. Daher fahren wir mit gedämpfter Hoffnung die lange Straße in den Mount Rainier National Park hinein.
Und dann kommt der Wow-Effekt des Tages: Auf einmal steht er vor uns, wolkenlos, weiß, gigantisch. Ein wahrer Koloss von einem Berg, riesig und wuchtig. Worte können kaum beschreiben, was man hir vor sich stehen sieht.
Die erste Einfahrt in eine Stichstraße nach Sunrise und dem zugehörigen Aussichtspunkt mit Visitor Center ist leider geschlossen, nach wenigen Meilen müssen wir wieder umkehren.
Also weiter auf der Straße, die um den Berg südwestlich herum angelegt worden ist. Viele phantastische Ausblicke ergeben sich unterwegs, immer gleich faszinierend ist diese vertikale Fels- und Eiswüste, die auf uns herunterschaut.
Der 4.392 m hohe Mount Rainier ist ein etwa 500.000 bis 1 Million Jahre alter Schichtvulkan, das heißt,  er ist mehmals ausgebrochen. Durch sein enormes Wachstum auf eine Höhe von über 4.300 Meter vergletscherten große Bereiche seiner Spitze. Den letzten umfassenden Ausbruch hatte der Vulkan vor etwa zweitausend Jahren, wodurch ein etwa 300 Meter hoher Gipfelkegel neu entstand. Die letzten aufgezeichneten Eruptionen fanden zwischen 1820 und 1854 statt. Obwohl zurzeit keine Gefahr eines Ausbruchs besteht, zählen Geologen ihn zu den schlafenden Vulkanen und gehen davon aus, dass er irgendwann erneut ausbrechen wird. 1899 erklärte Präsident William McKinley das Gebiet zum Mount Rainier National Park, dem fünften amerikanischen Nationalpark. 
Beim Lookout am Box Canyon ermöglicht ein kurzer Trail einen weiteren schönen Blick; viel faszinierender ist jedoch die Aussicht nach Süden: Die Schnee- und Eiskuppe des Mount St. Helens, ist auf einmal sichtbar, zum Einzigen Mal heute. 
Nächster Höhepunkt ist die Umgebung am Reflection Lake. Hier spiegelt sich bei Windstille der Mount Rainier im Wasser. Heute ist es leicht windig, so das kleine Wellen das Wasser kräuseln. Trotzdem finden wir eine kleine vorgelagerte Wasserfläche, die eine Spiegelung zumindest andeutet.
Am Großparkplatz im Paradise Valley am höchsten Punkt der Straße ist die Hölle los. Er dient nicht nur dem Visitor Center, sondern auch als Augangspunkt mehrerer leichter Trails, die bei den heutigen Bedingungen hoffnungslos überlaufen sind. Man ist hier unmittelbar zu Füßen des obersten Vulkankegels, der aber immer noch fast 3.000 Meter höher ist.
Da wir partout keine Parkmöglichkeit finden, bleibt Susanne im Auto, währen Oskar und ich die Routine erledigen: Stempel, Postkarte, Kühlschrankmagnet. Danach heißt es nur noch: Nichts wie weg! Wie schön, resümieren wir angesichts der Menschenmassen, dass wir den Mount Rainier vorher an vielen Stellen fast intim betrachten konnten.
Nun geht es wieder vom Berg herunter. War der Paradise 1.600 m hoch, liegt die Küstenebene nur noch im zweistelligen Höhenbereich. Das heißt viele Kurven, bis wir wieder unten sind.
Nun müssen wir wieder ein Stück fahren, denn unser nächstes Ziel ist der Olympic National Park, jenseits von Seattle auf der Halbinsel ganz an der Nordwestspitze der USA gelegen.
Wir halten noch einmal bei Cabela's in Lacey, bereits festlich geschmückt für den morgigen Feiertag.
Dann geht es über die US 101, den Westküsten-Highway, nordwärts auf die Olympic Halbinsel. Schnell wird es wieder ländlich. Zunächst überwiegt Wald entlang der Straße, bald fahren wir am Hood Canal entlang, einer Dutzende Kilometer langen schmalen Meeresbucht. Sie wirkt wie ein langgezogener See, der Zugang zum Meer über den Pudget Sound ist weit entfernt.
Am Ende ziehen sich die Kilometer, es ist weit bis an die Nordküste der Halbinsel.
Aber dann ist Sequim endlich erreicht. Hier hat Susanne eine Überraschung für uns: Wir übernachten im Olympic Railway Inn. Dieses besteht aus alten Eisenbahnwagen, die früher als Güterzugbegleitwagen auf Amerikas Schienen unterwegs waren. Diese sogenannten Caboose waren bis zum Ende der 1980er Jahre am Schluss jedes amerikanischen Güterzuges zu finden und dienten der Kontrolle des Zuges, als Aufenthalts- und Versorgungsraum für das Begleitpersonal sowie als Lager für Werkzeug und Ersatzteile.
Hier sind die Wagen zu gemütlichen Übernachtungsstätten umgebaut. 
Oskar und ich drehen noch eine Runde über die Anlage und schauen uns die einzelnen Waggons an, die hier im Halbkreis aufgestellt sind. Sie tragen noch die Farben von SANTA FE und BURLINGTON NORTHERN, unserer ist von CHESSIE SYSTEMS, einem früheren Bahnunternehmen von der Ostküste.
Dann flüchten wir uns aber ins Warme, denn es ist hier am Pazifik empfindlich kalt.
Eine Nacht in einem Eisenbahnwagen, ein Traum für jeden Bahnfan!

Samstag, 13. Juli 2025 Suisun City CA - San Francisco Airport CA

Der letzte Morgen in Amerika. Wir können kaum glauben, dass diese phantastische Reise heute zu Ende geht. Und wie schnell die Zeit vergangen...